Die atemberaubenden blauen Farben dieses wunderschönen Sees im Norden Pakistans täuschen über seinen gewalttätigen Ursprung hinweg. Im Januar 2010 stürzte ein massiver Erdrutsch, der möglicherweise durch ein Erdbeben ausgelöst wurde, die Berge herunter und verschüttete das Dorf Attabad im Hunza-Tal in der Region Gilgit Baltistan, etwa 760 km von Islamabad entfernt. Felsen und Erde stauten das Einzugsgebiet des Hunza-Flusses auf, das sich schnell bis zur maximalen Tiefe füllte und einen neuen See schuf, wodurch etwa sechstausend Menschen vertrieben und mehr als 20 km des Karakorum-Highways beschädigt wurden. Dieser Highway war die einzige Verbindung zu dieser abgelegenen Region. Fünf Monate nach der Katastrophe war der Attabad-See auf etwa 21 km Länge angewachsen. Er schlängelt sich wie eine riesige blaue Schlange durch das enge Tal und ergänzt die spektakuläre Schönheit der Täler von Gilgit und Hunza, die bereits mit Dutzenden von wunderschönen türkisfarbenen Bergseen übersät sind. Der See ist zu einem großen Anziehungspunkt für Touristen geworden. Eine kleine Anzahl von Hotels und Pensionen ist rund um den See entstanden, und verschiedene Freizeitaktivitäten wie Bootfahren, Jetskifahren und Angeln finden auf dem See statt. Doch für die vom Erdrutsch Betroffenen ist die Realität nicht ganz so malerisch.
Die Katastrophe von Attabad hat vier Dörfer - Ainabad, Schischkat, Gulmit und Gulkin - vollständig unter Wasser gesetzt. Apfelplantagen mit jahrhundertealten Bäumen, buddhistische Relikte, Moscheen, Tempel und Holzhäuser mit ihren geschnitzten Säulen ertranken alle im See. Die Armee evakuierte die Einheimischen und verlegte sie vorübergehend in ein anderes Tal. Da die Autobahn überflutet war, mussten Fahrzeuge, Passagiere und Fracht in Holzbooten über das Wasser befördert werden. Obwohl die Fahrt für Touristen, Lastwagenfahrer und Einheimische oft ein Vergnügen war, stellte sie einen großen Ärger dar.
Fünf Jahre später wurde der Karakorum-Highway am Ufer des Sees entlang umgeleitet, und das Leben der Menschen beginnt sich nun wieder zu normalisieren.