
Unter den kalkhaltigen Hügeln von Galiläa, nur wenige Kilometer von Haifa entfernt, öffnet sich eine unterirdische Welt, die nur wenigen Reisenden bekannt ist. Die Katakomben von Bet She'arim erstrecken sich über Hunderte von Metern im Untergrund, in den Felsen zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert n. Chr. gehauen, und bewahren eines der am besten erhaltenen jüdischen Bestattungsstätten der Welt. Es ist kein Ort, der mit großen Schildern oder Warteschlangen von Touristenbussen angekündigt wird: Man gelangt fast zufällig dorthin, indem man den grünen Nationalpark Kiryat Tivon durchquert, und dann geht es hinunter, mit einer Taschenlampe in der Hand, in Galerien, die scheinbar nie enden.

Die UNESCO hat Bet She'arim 2015 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen und damit den außergewöhnlichen Wert dieses Ortes anerkannt, der die Blüte der jüdischen Kultur in der spätantiken Zeit dokumentiert. Doch trotz dieser offiziellen Anerkennung bleibt der Ort überraschend still. An Wochentagen kann man fast einsam zwischen den Gräbern spazieren, begleitet nur von der Frische der unterirdischen Luft und dem fernen Geräusch der eigenen Schritte auf dem Stein.
Die Geschichte: vom Sanhedrin zur universellen Nekropole

Bet She'arim verdankt seine historische Bedeutung einem Mann: Rabbi Yehuda HaNasi, dem Patriarchen, der im 2. Jahrhundert n. Chr. hier den Sitz des Sanhedrins verlegte und die Mischna, den grundlegenden Text des jüdischen Oralrechts, zusammenstellte. Als er um 217 n. Chr. starb, wurde er an diesem Ort beigesetzt, und von diesem Moment an wurde Bet She'arim der begehrteste Friedhof der jüdischen Diaspora. Familien aus dem gesamten Mittelmeerraum — aus Arabien, Kleinasien, Phönizien — brachten hier ihre Verstorbenen zur Beisetzung in die Nähe des großen Weisen.
Die Nekropolen wurden im Auftrag von wohlhabenden Gemeinschaften und Familien ausgegraben, was die Vielfalt und den Reichtum der Dekorationen erklärt. Die Archäologen, angeführt von Benjamin Mazar in den Ausgrabungskampagnen der 1930er Jahre und später von Nahman Avigad in den 1950er und 1960er Jahren, haben über einunddreißig Katakomben identifiziert, von denen einige sich über Dutzende von Metern in die Tiefe erstrecken mit Sälen, Korridoren und seitlichen Nischen.

Die unterirdische Architektur: Stein gemeißelt wie Ton
Was sofort ins Auge fällt, wenn man in die für die Öffentlichkeit zugänglichen Katakomben hinabsteigt, ist die Präzision, mit der die Handwerker der Antike den Kalkstein bearbeitet haben. Die Eingangsportale einiger Gräber ahmen die Fassaden von Steingebäuden mit Bögen, Rahmen und Lisenen nach — eine Art illusionistische Architektur, die direkt in den Berg gemeißelt wurde. Der lokale Kalkstein, der beim Abbau weich und dann an der Luft härtend ist, eignete sich perfekt für diese Art der Bearbeitung.

Im Inneren sind die Sarkophage — einige aus importiertem Marmor, andere aus lokalem Stein — mit Motiven verziert, die traditionelle jüdische Symbole wie die Menora und das Schofar mit Elementen der hellenistischen und römischen Kunst vermischen: Adler, Girlanden, mythologische Figuren. Diese visuelle Mischung erzählt besser als jedes Buch von der kulturellen Komplexität des spätantiken Judentums, das offen für die Einflüsse der griechisch-römischen Welt war und dennoch eine eigene Identität bewahrte. In der Katakombe 20, der größten der Stätte, zählen über 130 Sarkophage, die in Reihen entlang der Korridore angeordnet sind.
Was zu beachten ist: die Details, die den Unterschied ausmachen

Wer Bet She'arim aufmerksam besucht, wird Details bemerken, die bei einer oberflächlichen Betrachtung entgehen. An den Wänden vieler Grabkammern sind Graffiti mit Inschriften in Griechisch, Aramäisch, Hebräisch und sogar Palmyrenisch zu finden — verschiedene Sprachen, die die vielfältige geografische Herkunft der Verstorbenen bezeugen. Einige Inschriften sind von kleinen Zeichnungen begleitet, die mit einem Griffel eingraviert sind, schnelle Skizzen, die Schiffe, Menorahs und menschliche Gesichter darstellen.
Im Freien, im offenen Bereich des Parks, sind die Überreste einer Basilika aus dem 3.-4. Jahrhundert und einiger ziviler Strukturen der antiken Stadt erhalten, die es ermöglichen, sich Bet She'arim nicht nur als Nekropole, sondern als lebendiges städtisches Zentrum vorzustellen. Der Blick auf die Hügel Galiläas von der oberen Hochebene in den späten Nachmittagsstunden ist von stiller und unerwarteter Schönheit.
Praktische Tipps für den Besuch
Der Nationalpark Bet She'arim befindet sich im Gemeindegebiet von Kiryat Tivon, erreichbar mit dem Auto von Haifa in etwa zwanzig Minuten oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln mit Umstieg in Kiryat Tivon. Die Stätte ist täglich außer samstags geöffnet, die Öffnungszeiten variieren zwischen Sommer und Winter — es wird empfohlen, die offizielle Website der israelischen Natur- und Parksbehörde vor der Abreise zu überprüfen. Der Eintrittspreis liegt bei etwa 22-28 Schekel pro Erwachsenem.
Der gesamte Besuch dauert etwa zwei Stunden. Eine Taschenlampe mitzubringen oder die Taschenlampen-App des Smartphones herunterzuladen, ist in den dunkleren Gängen nützlich, auch wenn einige Katakomben beleuchtet sind. Früh am Morgen an Wochentagen ist der ideale Zeitpunkt: das Licht ist noch frisch, die Schulgruppen sind noch nicht angekommen und die unterirdische Stille ist fast absolut. Die Temperaturen in den Katakomben bleiben auch im Hochsommer konstant bei etwa 18-20 Grad: ein leichter Pullover ist nicht überflüssig.
