Wenige, sehr wenige, vielleicht niemand bemerkt diesen Metallstreifen, der in den linken Pfeiler des Kreuzes des Doms eingemauert ist. Eine anonyme Eisenstange, die kaum aus dem gestrichenen Stuck herausragt, so dass man sie fast mit Kalk überziehen möchte. Dabei ist es ein Objekt von außerordentlicher historischer Bedeutung, das vor einigen Jahrzehnten durch Zufall der Zerstörung entgangen ist, als es bei Restaurierungsarbeiten mit einem alten Eisen verwechselt wurde. Der Passus Ferreus stellt die Vermessung dar, auf die in allen Grundstückskaufverträgen und generell in jedem Handelsvertrag, in dem das kanonische Maß notwendig war, Bezug genommen werden musste. Die Latte ist ein Muster der byzantinischen linearen Maßeinheit, die in den Urkunden "Passus Ferreus sanctam Ecclesiam Neapolitanam" definiert ist und als Garantie gegen jeglichen Betrug angeführt wird. Tatsächlich dürfte die fragliche Leiste aus der Zeit Justinians stammen, als Neapel ein autonomes byzantinisches Herzogtum wurde. Die Latte wurde während der byzantinischen Regierung in eine Säule eingelassen, in Ausführung einer der Vorgaben der "Pragmatica Sanctio Pro Petitione Vigilii", die von Justinian I., Kaiser von Byzanz, im Jahr 527 erlassen wurde, um "... die Übel zu beheben, die die Tyrannorum bellica confusio und gothica ferocitas ..." während des Gotenkrieges (535-553) über Italien gebracht hatten, und mit dem Ziel, die Rechte der Eigentümer vor jeglicher Usurpation zu bekräftigen; den Steuerdruck zu mildern, das System der Maße und Gewichte neu zu ordnen, die Justiz gerechter zu verwalten und den Kurs der Währung zu regulieren. Die fragliche Latte ist das einzige erhaltene Beispiel von vielen kanonischen Latten der linearen Maßeinheit, die in den Hauptkirchen der byzantinischen Städte angebracht waren und daher von unschätzbarem Wert.