Ets Haim ist die älteste aktive jüdische Bibliothek der Welt. Sie wurde 1616 als Teil der Talmud-Tora-Schule gegründet und befindet sich seit 1675 an ihrem heutigen Standort in dem wunderschönen Komplex der Portugiesischen Jüdischen Synagoge in Amsterdam. Die Bibliothek, die etwa 600 Handschriften und 23.000 Drucke umfasst, besitzt eine große, reichhaltige Sammlung über das jüdische Leben im 17., 18. und 19. Jahrhundert und ist damit seit fast 400 Jahren ein wichtiger Bestandteil des Amsterdamer Kulturerbes.
Infolge der Inquisition auf der iberischen Halbinsel flohen im Laufe des 16. Jahrhunderts viele Juden, die zwangsweise zum Christentum konvertiert waren (conversos), in Städte wie Antwerpen und Amsterdam.
Ende des 16. Jahrhunderts ließen sich die ersten Conversos in Amsterdam nieder. Sie waren sich ihres jüdischen Hintergrunds bewusst. Hier in Amsterdam hatten sie die Möglichkeit, ihre längst vergessenen jüdischen Bräuche und Traditionen kennenzulernen und ihre jüdische Identität wiederzuentdecken.
Ursprünglich war die Bibliothek Ets Haim ("Baum des Lebens") Teil der Talmud-Tora-Schule, die 1616 von der ersten portugiesischen jüdischen Gemeinde in Amsterdam gegründet wurde. Die Nachfrage nach Bildung war groß, und der Lehrplan der Schule war sehr breit gefächert.
Die Bibliothek der Schule ist Teil der heutigen Sammlung von Ets Haim und zeigt, dass es neben der religiösen Bildung auch ein großes Interesse an verschiedenen Themen gab. Die Sammlung zeigt auch, wie wichtig die iberische Identität für die Gemeinschaft war, während sie Amsterdam als ihre Heimat betrachtete.