Der Wind kommt ohne Vorwarnung, schneidend und konstant, als ob das Mittelmeer versuchen würde, dir etwas Essentielles zu erinnern. Der Leuchtturm von Punta Nati erhebt sich an der Nordküste von Menorca wie ein weißes Ausrufezeichen in einer Landschaft aus grauem Stein: keine Bars, kein ausgestatteter Parkplatz, keine glänzende Touristeninformation. Nur der Turm, das Meer unter den Klippen und ein Kalksteinplateau, das aussieht, als käme es von einem anderen Planeten.
Erbaut Ende des 19. Jahrhunderts — die Quellen datieren seine Inbetriebnahme um 1913 — ist der Leuchtturm von Punta Nati eines der am besten erhaltenen Beispiele maritimer Architektur der Insel. Die Struktur wird von der Hafenbehörde der Balearen verwaltet und obwohl sie innen nicht besichtigt werden kann, ist ihre physische Präsenz und die umliegende Landschaft der wahre Grund, warum es sich lohnt, den Schotterweg dorthin zu nehmen.
Eine mondähnliche Landschaft aus Stein und Wind
Was einen zuerst beeindruckt, noch bevor man sich dem Leuchtturm nähert, ist das Gebiet, das ihn umgibt: ein Hochplateau aus weißem, glattem und rissigem Kalkstein, unterbrochen nur von den charakteristischen Trockenmauern, die die Menorquiner parets seques nennen. Diese Steinbauten, die im Laufe der Jahrhunderte ohne Mörtel von den einheimischen Landwirten errichtet wurden, begrenzen Parzellen, die mittlerweile fast verlassen sind, und erstrecken sich bis zum Rand der Klippen. Die UNESCO hat Menorca auch wegen der Erhaltung dieser ländlichen Landschaft als Biosphärenreservat anerkannt.
Der Kalkstein hier ist porös und weiß, und unter der Mittagssonne reflektiert er das Licht auf fast blendende Weise. Es wächst hier kaum etwas Hohes: Ein paar Sträucher von Schneeball und Heidekraut klammern sich an die Ritzen, dauerhaft vom Tramontana, dem Nordwind, der im Winter beträchtliche Geschwindigkeiten erreichen kann, gebeugt. Auf diesem Plateau zu gehen bedeutet, physisch zu verstehen, warum die Seeleute einen hellen Punkt an diesem Küstenabschnitt benötigten.
Der Turm und das Licht
Der Leuchtturm selbst ist ein zylindrischer, weißer Turm von geringer Höhe, typisch für den Stil der maritimen Strukturen Spaniens zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die ursprüngliche Laterne wurde im Laufe der Jahrzehnte aktualisiert, wie es bei fast allen noch betriebenen Leuchttürmen der Fall ist, aber das äußere Erscheinungsbild bewahrt die schlichte Strenge der ursprünglichen Anlage. Rund um den Turm befinden sich die niedrigen Gebäude der Dienststellen, die ebenfalls weiß verputzt sind und einst die Wächter des Leuchtturms und deren Familien beherbergten.
Heute ist der Leuchtturm automatisiert, wie die große Mehrheit ähnlicher Strukturen im Mittelmeer. Es gibt keine ansässigen Wächter, keine geplanten Führungen und keine Tickets zu kaufen. Man nähert sich, geht um den Zaun herum und schaut auf das Meer. Im Norden, an klaren Tagen, ist die Silhouette der Küste Kataloniens oder der anderen Baleareninseln zu erkennen. Es ist eine Landschaft, die keine Beschriftungen benötigt.
Wie man dorthin gelangt und wann man gehen sollte
Punta Nati erreicht man von Ciutadella, der nächstgelegenen Stadt, indem man eine Straße befährt, die nach einigen Kilometern unbefestigt wird. Die Fahrt dauert etwa zwanzig Minuten mit dem Auto von der Stadt. Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel, die bis zum Leuchtturm fahren, daher ist ein privates Fahrzeug erforderlich. Die Straße ist auch mit einem normalen Kleinwagen befahrbar, kann aber bei starkem Regen rutschig werden.
Der beste Zeitpunkt für einen Besuch ist früh am Morgen, besonders im Sommer, wenn das Licht noch sanft ist und die Hitze noch nicht erdrückend ist. Im Frühling und Herbst ist die Landschaft besonders eindrucksvoll: Die Farben der mediterranen Macchia sind intensiver und die Wahrscheinlichkeit, den Ort für sich zu haben, ist sehr hoch. Im Sommer kann der Reflex des weißen Kalksteins in der Nachmittagssonne ohne gute Sonnenbrille unangenehm sein. Wasser mitzunehmen ist unerlässlich: Es gibt keine Brunnen oder Erfrischungspunkte jeglicher Art.
Warum die Reise wert ist
Auf einer Insel wie Menorca, wo der Strandtourismus die dominierende Form des Besuchs ist, bietet Punta Nati etwas anderes: einen Ort, der nicht angepasst wurde, um bequem zu sein. Es gibt nichts zu konsumieren, keinen Service zu kaufen. Man kommt an, läuft über den Felsen, spürt den Wind und schaut auf den weißen Turm gegen den Himmel.
Für diejenigen, die mit Interesse an Landschaftsarchitektur oder Fotografie reisen, bietet diese Ecke Menorcas eine Kombination, die anderswo schwer zu finden ist: menschliche Geometrie und mediterrane Wildnis im selben Sichtfeld. Die Trockenmauern, die zum Horizont verschwinden, das Weiß des Kalks gegen das Blau des Meeres, die absolute Einsamkeit — das sind Elemente, die mit einer ungewöhnlichen Klarheit im Gedächtnis bleiben. Es ist kein Ort für jedermann, aber für diejenigen, die danach suchen, ist es genau das, was es scheint.