Das Wasser in den Tuffsteinbrüchen von Favignana hat eine Farbe, die man nicht leicht vergisst: ein fast künstliches elektrisches Blau, das durch den Kontrast zu den gelben Wänden des über Jahrhunderte aus der Insel abgebauten Kalksteins noch intensiver wird. Diese verlassenen, im Laufe der Zeit von Grundwasser und dem Meer überfluteten Höhlen sind zu natürlichen Schwimmbecken geworden, in denen die Einheimischen neben den Touristen baden. Es handelt sich nicht um einen ausgestatteten Park oder einen konventionellen Strand: Es sind Löcher im Felsen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sind, oft ohne Schilder oder Einrichtungen. So ist der Ton von Favignana.
Die größte der Egadischen Inseln liegt etwa 7 Kilometer vor der Westküste Siziliens, gegenüber von Trapani. Ihre Form erinnert vage an einen Schmetterling, mit zwei Flügeln, die sich um den zentralen Hafen ausbreiten. Die Insel hat eine Fläche von etwa 20 Quadratkilometern und beherbergt eine ansässige Bevölkerung von etwas mehr als 4.000 Einwohnern, eine Zahl, die sich in den Sommermonaten vervielfacht, wenn die Fähren Wellen von Besuchern vom Festland und aus Sizilien abladen. Trotz dessen behält Favignana außerhalb der Hochsaison ein langsames, fast schwebendes Tempo bei.
Die Tuffsteinbrüche: Industrie-Landschaften, die zu Schwimmbädern wurden
Der Abbau des gelben Tuffs — lokal als Favignana-Stein bezeichnet — hat das Erscheinungsbild der Insel über Jahrhunderte geprägt. Dieses weiche Kalkgestein wurde von Hand mit Werkzeugen namens Hacken geschnitten und in ganz Sizilien als Baumaterial verschickt. Die zugänglichsten Brüche befinden sich im östlichen Teil der Insel, in der Nähe des Ortsteils Lido Burrone. Einige wurden teilweise für Besucher ausgestattet, aber viele bleiben in einem rohen Zustand: vertikale Wände, die in Stufen gemeißelt sind, schattige Nischen, Oberflächen, die noch die Spuren der Werkzeuge tragen. Das Wasser, das sie füllt, gefiltert durch den Stein, erreicht eine Transparenz und eine Farbnuance, die anderswo im Mittelmeer schwer zu finden ist.
Wer die Insel mit dem Fahrrad besucht — das am häufigsten genutzte Fortbewegungsmittel, das im Hafen für etwa 5-10 Euro pro Tag gemietet werden kann — kann diese Brüche über die Nebenstraßen erreichen, die das Innere durchqueren. Das Gelände ist flach, was die Rundfahrt um die Insel auch für Ungeübte zugänglich macht. Es wird empfohlen, früh am Morgen zu starten, bevor die Hitze erdrückend wird und bevor die bekanntesten Brüche sich mit Besuchern füllen.
Die Tonnara Florio und die Geschichte der Thunfischfischerei
Im Zentrum des Hafens von Favignana befindet sich eines der imposantesten Gebäude der Insel: die ehemalige Anlage der Tonnara Florio, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der Familie Florio, einer palermitanischen Unternehmerdynastie, die die sizilianische Wirtschaft jahrzehntelang dominierte, erbaut wurde. Die Anlage, entworfen vom Architekten Giuseppe Damiani Almeyda und 1859 eingeweiht, diente der Verarbeitung und Konservierung des mit der traditionellen Technik der Mattanza gefangenen roten Thunfischs.
Die Mattanza ist eine kollektive Fischfangtechnik, die den Einsatz von festen Netzen in Sequenz vorsah, um die Thunfische während der Frühjahrswanderung zu fangen. Sie erforderte Dutzende von Fischern, die von einer rituellen Figur namens rais koordiniert wurden, die die Operationen mit Gesängen und mündlich überlieferten Kommandos leitete. Die letzte Mattanza in Favignana fand 2007 statt und markierte das Ende einer Tradition, die seit Jahrhunderten bestand. Die Florio-Anlage ist heute in ein Museum umgewandelt — das Museum des Meeres — wo man die originalen Fischereigeräte, die Verarbeitungsbecken und fotografische sowie audiovisuelle Dokumentationen zur Mattanza sehen kann. Der Eintrittspreis liegt in der Regel bei etwa 5-8 Euro.
Die Burg Santa Caterina und die Altstadt
Auf dem Hügel, der das Dorf überragt, befindet sich die Burg Santa Caterina, eine militärische Struktur, deren Ursprünge bis in die normannische Zeit zurückreichen, später von den Aragonesern verändert und bis ins 19. Jahrhundert als Gefängnis genutzt. Sie ist nicht immer kontinuierlich für die Öffentlichkeit zugänglich, aber von der Basis des Hügels hat man bereits einen guten Blick auf die Insel und das umliegende Meer. Die Altstadt von Favignana ist kompakt und in wenigen Minuten zu Fuß zu erkunden: die engen Straßen, die niedrigen Häuser aus gelbem Stein, die Bars mit Tischen im Freien vermitteln den Eindruck eines Dorfes, das sich noch nicht ganz dem touristischen Druck gebeugt hat.
Der morgendliche Fischmarkt, wenn er aktiv ist, ist einer der authentischsten Momente des lokalen Lebens: Er findet in den frühen Morgenstunden in der Nähe des Hafens statt und bietet typische Arten des westlichen Mittelmeers an. Es ist eines dieser Details, die man nur bemerkt, wenn man früh ankommt und sich langsam bewegt.
Wann man gehen und wie man ankommt
Die Fähren und Hydrofoil-Boote nach Favignana fahren mehrmals täglich vom Hafen in Trapani ab. Die Überfahrt mit dem Hydrofoil dauert etwa 30 Minuten. September und Juni sind die besten Monate, um die Insel zu besuchen: das Meer ist warm, die Steinbrüche sind zugänglich, aber der touristische Druck ist geringer im Vergleich zu Juli und August, wenn die Übernachtungsmöglichkeiten schnell erschöpft sind und die bekanntesten Steinbrüche bereits ab zehn Uhr morgens überfüllt sind. Wer kann, sollte den Ferragosto vermeiden: Die Insel verändert ihren Charakter vollständig und das Gefühl der Isolation, das sie besonders macht, verschwindet fast vollständig.