Der Boden bebt leicht unter den Füßen, die Luft riecht nach Schwefel und vor dir öffnet sich einer der aktivsten Krater des Planeten. Willkommen im Hawaii Volcanoes National Park auf der Insel Hawaii, wo die Erde kein fester Wert ist, sondern etwas, das sich vor deinen Augen verwandelt. Der Park, gegründet im 1916, erstreckt sich über mehr als 1.300 Quadratkilometer und beherbergt zwei der am meisten erforschten Vulkane der Welt: den Mauna Loa und den Kīlauea.
Der Kīlauea ist der unbestrittene Protagonist. Er gilt als einer der aktivsten Vulkane der Erde und ist seit Jahrzehnten fast ununterbrochen in Eruption — mit gelegentlichen Unterbrechungen — und hat die Südküste der Insel mit Lavaströmen umgestaltet, die neues Land zum Ozean hinzugefügt haben. Es ist kein fernes und abstraktes Schauspiel: Hier kannst du dich dem Rand des Kraters Halemaʻumaʻu nähern, den glühenden Lavasee betrachten und viszeral verstehen, was es bedeutet, der Geburt der Welt beizuwohnen.
Der Halemaʻumaʻu-Krater und die Kīlauea-Caldera
Der obligatorische Ausgangspunkt ist das Kīlauea Visitor Center, wo die Ranger täglich die vulkanischen Bedingungen aktualisieren und die zugänglichen Bereiche anzeigen. Von hier führt die Crater Rim Drive — eine Panoramastraße, die entlang der Caldera verläuft — zum Aussichtspunkt auf den Halemaʻumaʻu-Krater. In Phasen aktiver Eruption erhellt nachts das orangefarbene Glühen des Lavasees die Dämpfe, die aus dem Krater aufsteigen: ein Anblick, der nichts ist, was du zuvor gesehen haben könntest.
Die Caldera des Kīlauea hat einen Durchmesser von etwa 4 Kilometern und erreicht an einigen Stellen eine Tiefe von 120 Metern. Wenn man entlang des Randes geht, bemerkt man die Risse im Boden, die Fumarolen, die weiße Dämpfe ausstoßen, und die Oberflächen von erstarrter schwarzer Lava, die im Kontrast zum Grün der umliegenden Vegetation stehen. Die Geologie hier ist nichts, was man in Büchern studieren sollte: Sie ist buchstäblich unter deinen Füßen.
Thurston Lava Tube: innerhalb eines Lavatunnels
Einer der zugänglichsten und beeindruckendsten Wege im Park ist der Thurston Lava Tube, auch bekannt als Nāhuku. Es handelt sich um einen natürlichen Tunnel, der entstand, als die äußere Kruste eines Lavaflusses erstarrte, während die Lava im Inneren weiter floss und das Rohr entleerte. Der Haupttunnel ist etwa 170 Meter lang und ist künstlich beleuchtet, was einen Besuch auch ohne Taschenlampe möglich macht.
Das Gehen im Inneren ist ein einzigartiges sinnliches Erlebnis: Die Wände zeigen Streifen aus bunten Mineralien, die Felsen glänzen vor Feuchtigkeit und die Decke bewahrt die wellenförmigen Formen, die von der sich bewegenden Lava hinterlassen wurden. Der Rundweg, der zum Tunnel führt, durchquert einen Wald aus Baumfarnen, mit Stämmen, die mit Moos bedeckt sind, und einer fast absoluten Stille, die im Kontrast zur Dramatik der vulkanischen Landschaft im Freien steht.
Kette der Kraterstraße: zum Ozean auf einem Meer aus Lava
Die Kette der Kraterstraße führt etwa 32 Kilometer vom Rand des Kraters bis zur Küste des Pazifiks und durchquert erstarrte Lavafelder, die wie ein schwarzes, in der Zeit gefrorenes Meer erscheinen. Entlang der Straße begegnet man zahlreichen kleineren Kratern, alten hawaiianischen Petroglyphen — in die Lava von den Ureinwohnern der Insel eingraviert — und den Spuren von jüngsten Lavaströmen, die Teile der Straße selbst überflutet haben.
Am Ende der Straße, wo die Lava in der Vergangenheit das Meer erreicht hat, ist die Landschaft mondähnlich: keine Vegetation, nur schwarzer Fels und das Geräusch der Wellen. In bestimmten Zeiten, wenn die vulkanische Aktivität es zulässt, kann man beobachten, wie die Lava den Ozean erreicht und weiße Dampfsäulen erzeugt, die aus Kilometern Entfernung sichtbar sind. Die Ranger informieren täglich, ob dieses Schauspiel zugänglich und sicher ist.
Praktische Tipps für den Besuch des Parks
Das Eintrittsticket für den Park kostet 35 Dollar pro Fahrzeug und ist gültig für 7 Tage. Der Park ist 24 Stunden am Tag geöffnet, und das ist ein wichtiger Punkt: Der beste Zeitpunkt, um den Halemaʻumaʻu-Krater zu besuchen, ist bei Sonnenuntergang oder nachts, wenn das Glühen der Lava mit bloßem Auge sichtbar ist. Tagsüber reduziert die Helligkeit das Schauspiel erheblich.
Bringe ausreichend Wasser mit, trage festes Schuhwerk mit robuster Sohle und ziehe Schichten an: Die Temperatur variiert erheblich zwischen dem Rand der Caldera, der sich auf etwa 1.200 Metern Höhe befindet, und der Küste. Die Emissionen von vulkanischem Gas — das sogenannte Vog, ein saurer Nebel — können für Menschen mit Atemproblemen unangenehm sein: Überprüfe die Wetterbedingungen, bevor du losfährst, und trage gegebenenfalls eine Maske. Die Ranger sind die wertvollste Ressource des Parks: Zögere nicht, sie zu fragen, wo die vulkanische Aktivität am intensivsten ist am Tag deines Besuchs.