Die Wallfahrtskirche Santa Maria ad Gratias befindet sich im Komplex der Abtei Novacella, die derzeit von Augustiner-Chorherren betreut wird. Im Mittelalter erreichte die Abtei von Novacella unter Abt Konrad II. von Rodank (1178-1200) eine frühe kulturelle Blüte. Am 17. April 1190 wurde es von einem schweren Brand heimgesucht, aber Konrad, der in Kunst und Wissenschaft besonders begabt war, baute den gesamten Klosterkomplex in kürzester Zeit wieder auf, so dass die neue Abteikirche um 1198 wieder geweiht werden konnte.
Im Jahr 1221 erhielt Novacella das Patronatsrecht über die Pfarrei Olang. Die Pfarrei Fié allo Sciliar wurde 1257 inkorporiert, während die Pfarrei Assling 1261 der Abtei anvertraut wurde, die aus der Abtei, der Michaelskapelle und dem Heiligtum der Madonna besteht. Das Heiligtum ist ein romanischer Bau aus dem Jahr 1442. Um das 18. Jahrhundert herum wurde die Kirche einer umfassenden Renovierung unterzogen, die den Stil der damaligen Zeit veränderte und sie zu einem der bedeutendsten Marienheiligtümer in ganz Südtirol machte.
Während der drei Kriege gegen Frankreich zwischen 1792 und 1805 musste die Abtei häufig ausgedehnte Lager mit hohen Tributzahlungen ertragen. Mit dem Frieden von Pressburg im Jahr 1805 fiel die Fürstliche Grafschaft Tirol endgültig an Bayern.
Im Inneren des Heiligtums befindet sich am Fuße des Turms ein großes Atrium. Das Innere besteht aus drei Schiffen, die mit feinen Marmor- und Stuckarbeiten verziert sind. Links befindet sich die barocke Kapelle Santa Maria ad Gratias, die 1695 fertiggestellt wurde. Das Gemälde von Giovanni Battista Delai wird von einer mit Stuck verzierten Kuppel gekrönt.
Von großem Wert ist die Statue der Madonna mit Kind im gotischen Stil auf dem Hauptaltar.
Im Inneren der Wallfahrtskirche, die man nicht verpassen sollte, gelangt man durch das rechte Kirchenschiff in den Säulengang aus dem 13. Jahrhundert, der mit Fresken verziert ist, die evangelische Szenen, Gleichnisse, biblische Figuren, Heilige und Allegorien darstellen.