
Alle drei Uhr nachts, mit einer Stirnlampe und einer eng anliegenden Gasmaske im Gesicht, beginnt man den Weg zum Krater Ijen hinaufzusteigen. Die Luft riecht bereits nach Schwefel. Um einen herum, in der Dunkelheit, hört man die schweren Schritte der Minenarbeiter, die Körbe aus Holz mit festem Schwefel auf den Schultern tragen: Lasten, die bis zu 80 Kilogramm wiegen, von Hand entlang eines Pfades transportiert werden, der bis zum Rand des Sees hinunterführt und dann wieder hinauf, zweimal am Tag. Dies ist die tägliche Realität des Vulkans Ijen, im Bezirk Licin, in der Provinz Ost-Java, Indonesien.

Der Krater Ijen liegt auf einer Höhe von 2.386 Metern und ist Teil des vulkanischen Komplexes Ijen-Raung. In seinem Inneren befindet sich einer der sauersten Vulkankraterseen der Welt: ein Becken von etwa 1 Kilometer Durchmesser, gefüllt mit konzentrierter Schwefelsäure, mit einem geschätzten pH-Wert nahe null. Die Farbe ist ein intensives und unwirkliches Türkis, fast fluoreszierend, das im Kontrast zu den grauen Wänden des Kraters und dem Himmel steht, der in den frühen Morgenstunden von Schwarz zu Rosa wechselt. Kein Foto kann dieser Farbe wirklich gerecht werden.
Die blauen Flammen: ein seltenes Phänomen, das nur nachts sichtbar ist

Der Hauptgrund, warum Tausende von Besuchern wählen, vor Sonnenaufgang anzukommen, ist ein geologisches Schauspiel, das sich nur im Dunkeln manifestiert: die sogenannten blauen Flammen (blue fire). Es handelt sich nicht um Lava, sondern um Schwefelgase, die aus den Rissen des Vulkans bei hoher Temperatur austreten und beim Kontakt mit Sauerstoff entzündet werden, wodurch eine Verbrennung in elektrischer blauer Farbe entsteht. Die Flammen können Höhen von mehreren Metern erreichen und sind nur in den Nachtstunden sichtbar, da das Tageslicht sie unsichtbar macht. Ijen ist einer der wenigen Orte auf der Welt, an denen dieses Phänomen beobachtet werden kann.
Um sie aus der Nähe zu sehen, muss man in den Krater hinabsteigen, entlang eines steilen und rutschigen Pfades, der bis zum Rand des Sees führt. Der Abstieg erfordert Vorsicht: Der Boden ist instabil, die Felsen sind scharf und die Gasemissionen können plötzlich dicht werden. Die Bergleute begehen jeden Tag denselben Abschnitt, oft ohne angemessenen Schutz, ein Detail, das den Besuch noch bedeutungsvoller macht.

Die Schwefelgräber: eine harte und alte Arbeit
Die Schwefelmine im Krater Ijen ist seit Jahrzehnten aktiv. Die Arbeiter, die zu den lokalen Gemeinschaften in der Region Licin und Banyuwangi gehören, sammeln den erstarrten Schwefel, der sich um die Fumarolen ablagert. Der Schwefel wird hauptsächlich in der Zuckerindustrie und bei der Herstellung von Düngemitteln verwendet. Jeder Minenarbeiter macht im Durchschnitt zwei Reisen pro Tag und verdient einen Betrag, der je nach transportiertem Gewicht variiert, in der Regel um einige Dutzend Tausend Rupien pro Reise.

Diese Männer bei der Arbeit zu beobachten, ist eine der intensivsten Erfahrungen, die der Krater bietet. Viele tragen rudimentäre Gasmasken oder einfach ein Tuch über dem Gesicht. Einige haben sich daran gewöhnt, den Schwefel in dekorative Formen zu schnitzen — Blumen, Tiere, Gegenstände — um sie als Souvenirs an Touristen zu verkaufen. Es ist eine praktische Anpassung, die viel über die Resilienz derjenigen erzählt, die in dieser extremen Umgebung leben und arbeiten.
Wie man ankommt und wann man gehen sollte

Der Ausgangspunkt für den Aufstieg zum Krater ist das Paltuding Visitor Center, das mit dem Auto oder Motorrad von Banyuwangi, der nächstgelegenen Stadt an der östlichen Spitze von Java, erreichbar ist. Von Banyuwangi dauert die Fahrt etwa eine Stunde. Alternativ kann man von der Seite der Provinz Bondowoso über Sempol anreisen. Viele Besucher entscheiden sich dafür, den Transfer über lokale Gästehäuser oder Agenturen in Banyuwangi zu organisieren, die Pakete mit Führungen und Transport anbieten.
Der Aufstieg von Paltuding zum Rand des Kraters dauert etwa 1,5-2 Stunden auf einem gut markierten, aber anspruchsvollen Pfad. Um die blauen Flammen zu sehen, ist es notwendig, zwischen 2 und 3 Uhr nachts zu starten. Das Eintrittsticket für ausländische Besucher kostet etwa 150.000 indonesische Rupien an Wochentagen und kann an Wochenenden oder während Feiertagen steigen. Es ist obligatorisch, am Eingang eine Gasmaske zu mieten oder eine eigene mitzubringen: Die Emissionen von Schwefeldioxid im Krater sind gefährlich und können schwere Reizungen der Atemwege verursachen. Unterschätzen Sie diesen Aspekt nicht, auch wenn der Himmel klar zu sein scheint.
Was physisch zu erwarten ist und was mitzubringen ist
Die Temperatur am Krater kann in den Nachtstunden auf etwa 10-15 Grad Celsius sinken, ein deutlicher Kontrast zur feucht-warmen Küste. Ein thermisches Layer ist unerlässlich. Robuste Wanderschuhe sind unverzichtbar, ebenso wie eine Stirnlampe mit Ersatzbatterien. Die Beleuchtung entlang des Pfades ist nicht vorhanden oder schwach.
Im Licht der Morgendämmerung, wenn die Sonne beginnt, den See zu erhellen, verwandelt sich der Krater erneut. Das Türkis des sauren Sees wird noch gesättigter, die weißen Fumarolen steigen langsam in die kalte Luft auf, und die Bergleute setzen ihre Arbeit schweigend fort. Was bleibt, nach dem Abstieg, ist nicht nur ein mentales Bild einer außergewöhnlichen Landschaft, sondern das Bewusstsein, etwas gesehen zu haben, das gleichzeitig zur Geologie und zur Menschheitsgeschichte gehört.
