
Die Wohnungen von Kandovan haben keine Fundamente im traditionellen Sinne des Wortes: Sie sind direkt in vulkanische, konische Gesteinsformationen, die lokal karanas genannt werden, hineingehauen, die wie unregelmäßige Türme am Berghang emporragen. Seit über siebenhundert Jahren leben, schlafen und arbeiten die Familien des Dorfes in diesen natürlichen, durch Erosion geformten Strukturen und schaffen eine der seltensten noch bewohnten Felsensiedlungen der Welt.

Kandovan liegt in der Provinz Ost-Aserbaidschan im Iran, etwa 50 Kilometer südlich von Tabriz, nicht weit vom Berg Sahand, einem erloschenen Vulkan, dessen geologische Aktivität im Laufe der Jahrhunderte die Ablagerungen von Tuff und kompaktiertem Asche hervorgebracht hat, aus denen die karanas entstehen. Die Formationen variieren in der Höhe: Einige erreichen 10-15 Meter, und im Laufe der Zeit haben die Bewohner in ihrem Inneren Räume auf mehreren Ebenen geschaffen, die durch interne Treppen, die in das Gestein selbst gehauen sind, verbunden sind.
Die Architektur der Karanas: lebendiger Stein als Baumaterial

Die Karanas aus der Nähe zu betrachten bedeutet zu verstehen, wie Architektur nicht aus dem Bau, sondern aus der Subtraktion entstehen kann: Jeder Raum ist das Ergebnis von entferntem Material, nicht von hinzugefügtem. Die Innenwände zeigen noch die Spuren der Werkzeuge, die zum Graben verwendet wurden, mit unregelmäßigen Oberflächen, die die ursprüngliche Textur des Vulkangesteins bewahren. Die Öffnungen – Fenster und Türen – sind in den Stein mit oft trapezförmigen oder gewölbten Formen geschnitten, die sich der Morphologie des Kegels anpassen.
Die ältesten Wohnhäuser weisen einfache Strukturen mit einem oder zwei Räumen auf, während die im Laufe der Jahrhunderte erweiterten Gebäude drei oder vier Innenebenen haben können. Einige Karanas beherbergen im Erdgeschoss kleine Handwerksläden oder Lebensmittelgeschäfte, wobei der Wohnbereich über äußere Treppen aus Stein oder Holz erreichbar ist. Ein mit bloßem Auge sichtbares Detail ist der Farbunterschied zwischen den Außenwänden, die durch die Witterung schwarz geworden sind, und den Innenwänden, die den hellen Ockerton des frischen Gesteins bewahren.

Das Hotel im Felsen: Übernachten in Kandovan
Eine der konkretesten Erfahrungen, die das Dorf den Besuchern bietet, ist der Aufenthalt im Hotel Laleh Kandovan Rocky, einer Einrichtung, die teilweise in den Karanas selbst untergebracht ist. Die Zimmer sind in den vulkanischen Felsen gehauen und bieten natürliche Wände und Decken, mit einer Innentemperatur, die das ganze Jahr über relativ stabil bleibt, dank der isolierenden Eigenschaften des Tuffs. Das Hotel wurde im Laufe der Jahre renoviert und erweitert und stellt einen der wenigen Fälle weltweit dar, in denen man in einer authentischen Felsumgebung übernachten kann, die noch in ein lebendiges Dorf integriert ist.

Die Preise für eine Nacht variieren je nach Saison und Zimmertyp, liegen jedoch im Allgemeinen im mittleren Preissegment nach iranischen Standards. Eine frühzeitige Buchung wird besonders in den Sommermonaten und an Wochenenden empfohlen, wenn das Dorf eine signifikante Anzahl iranischer Touristen aus Tabriz und den umliegenden Städten empfängt.
Was während des Besuchs zu beobachten ist: architektonische Details und das tägliche Leben

Wenn man den Hauptweg des Dorfes entlanggeht — eine enge Straße, die sich zwischen den Karanas schlängelt — kann man architektonische Elemente beobachten, die im Laufe der Zeit geschichtet wurden: bemalte Holztüren, die im Kontrast zum rohen Gestein stehen, in jüngerer Zeit hinzugefügte Balkone mit Eisenbrüstungen und in einigen Fällen Satellitenschüsseln, die direkt auf den Spitzen der Felsformationen befestigt sind. Diese Überlagerung von modernen Elementen und mittelalterlichen Strukturen ist eines der unmittelbarsten visuellen Merkmale von Kandovan.
Einige der höchsten Karanas weisen an der Außenseite ausgegrabene Nischen auf, die wahrscheinlich in der Vergangenheit zur Aufbewahrung von Lebensmitteln oder Gegenständen genutzt wurden, die heute leer, aber sichtbar bleiben. Die Größen der Kegel variieren erheblich: Die größeren Formationen beherbergen ganze Familien auf mehreren Ebenen, während die kleineren als Lagerräume oder Ställe für Tiere genutzt werden. Wenn man nach oben schaut, fällt auf, dass die Spitzen der Karanas oft asymmetrisch erodiert sind, mit Formen, die an Pilze oder umgekehrte Stalaktiten erinnern.
Praktische Tipps für den Besuch von Kandovan
Der bequemste Weg, um von Tabriz nach Kandovan zu gelangen, ist ein Auto zu mieten oder ein privates Taxi zu nehmen: Die Fahrt dauert etwa eine Stunde und führt durch bergige Landschaften, die sich mit den Jahreszeiten erheblich verändern. Es gibt keine direkte Busverbindung, die das Dorf regelmäßig bedient, daher bleibt das Privatfahrzeug die zuverlässigste Lösung.
Die beste Zeit für einen Besuch ist früh am Morgen, wenn das seitliche Licht der Sonne die Texturen des Gesteins hervorhebt und das Dorf noch nicht überfüllt ist. Im Sommer sind die Temperaturen dank der Höhe mild, während im Winter der Schnee die Wege rutschig machen kann. Es wird empfohlen, rutschfeste Schuhe zu tragen, da die Wege zwischen den Karanas oft uneben und steil sind. Vermeiden Sie die Wochenenden, wenn Sie ein ruhigeres Erlebnis suchen: Kandovan ist ein beliebtes Ziel für Ausflüge von iranischen Familien, und an Feiertagen kann das Dorf sehr überfüllt werden.
