Zwischen dem Pantheon und der Piazza Navona liegt die kleine Kirche San Luigi dei Francesi, ein wahres Juwel der Barockkunst mit drei absoluten Meisterwerken von Caravaggio im Inneren: 4. Das Martyrium des heiligen Matthäus 5. Die Berufung des heiligen Matthäus 6. Der heilige Matthäus und der Engel Die Werke, die sich in der Contarelli-Kapelle befinden, stellen einen erzählerischen Zyklus dar, der mit der Figur des Heiligen Matthäus verbunden ist. Michelangelo erhielt den Auftrag 1599 und machte sich sofort an die Arbeit. Er malte das Martyrium des heiligen Matthäus, das er im folgenden Jahr vollendete, und die Berufung des heiligen Matthäus. Der heilige Matthäus und der Engel hingegen wurde 1602 fertiggestellt. Im Vergleich zu den anderen Kompositionen ist das Martyrium des heiligen Matthäus überfüllt, mit einem Gewirr von Körpern, das an den Manierismus erinnert, während die Akte eindeutig von Michelangelo abgeleitet sind. In dieser Szene wird der Heilige von einem äthiopischen Soldaten überwältigt, den König Hirtacus geschickt hat, um ihn an der Fortsetzung seiner Missionierung zu hindern, während ihm ein Engel aus einer Wolke die Palme, das Symbol des Martyriums, überreicht. Die umstehende Menge ist entsetzt und unter ihnen befindet sich ein Mann mit Bart und Schnurrbart, der Caravaggio selbst sein könnte. Die gesamte Szene ist in Dunkelheit gehüllt: ein wichtiger Wendepunkt für Caravaggios Stil, der von nun an immer einen dunklen Hintergrund für seine Werke verwenden sollte. n der Berufung des heiligen Matthäus ist das Hauptmotiv die Symbolik des Lichtstrahls, der aus einem verborgenen Fenster kommt. Es ist das Licht Gottes, das sich zusammen mit den Figuren von Jesus und Petrus dem heiligen Matthäus zuwendet. Zur Zeit der Berufung Jesu war Matthäus ein Zöllner, und seine Begegnung mit Jesus veranlasst ihn, sein Leben aufzugeben, um ihm zu folgen. Caravaggio verwandelt diese Episode in eine Szene aus seiner eigenen Zeit, wobei der Schauplatz einer Taverne im Rom der damaligen Zeit ähnelt. Seine Malerei nimmt einen immer dramatischeren Charakter an, der aus Licht und vor allem aus Schatten besteht; ein grober Realismus, der uns daran erinnert, dass das Heilige keinen fernen Ort in Zeit und Raum hat, sondern immer unter uns ist. Die erste Fassung von Matthäus und der Engel wurde wegen ihres übertriebenen Realismus abgelehnt. Der Heilige wird als ein fast ungebildeter Bürger dargestellt, dem der Engel die Hand reichen muss, um ihm beim Schreiben zu helfen. Von diesem Werk, das während des Zweiten Weltkriegs in Berlin verloren ging, sind nur noch Fotokopien erhalten. In der zweiten Version des Gemäldes ist Matthäus jedoch noch beim Verfassen seines Evangeliums zu sehen, wobei der Engel ihm Anregungen gibt. Die Füße des Heiligen sind entblößt, fast so, als wollten sie die triviale Menschlichkeit eines Menschen darstellen, der auch ein Werkzeug des göttlichen Wortes sein kann.