
Der Pfad beginnt in Ölüdeniz mit dem Duft von Kiefern, der sich mit der salzigen Luft des Mittelmeers vermischt. Unter den Füßen weicht der ockerfarbene Erdboden Platten aus Kalkstein, dann wieder Schotter, während die blaue Lagune von Ölüdeniz — eine der am häufigsten fotografierten in der Türkei — in den ersten Kilometern als unverkennbares farbliches Wahrzeichen sichtbar bleibt. Der Lycian Way, oder Likya Yolu auf Türkisch, ist ein Fernwanderweg, der sich über etwa 540 Kilometer entlang der südwestlichen Küste der Türkei erstreckt, zwischen den Provinzen Muğla und Antalya.

Der Pfad wurde offiziell Ende der 1990er Jahre durch die Arbeit von Kate Clow, einer britischen Wandererin, die Jahre damit verbrachte, die alten Wege der Region Lykien zu kartieren, markiert und beschildert. Sie veröffentlichte dann einen Führer, der zur Hauptreferenz für diejenigen wurde, die diesen Wanderweg beschreiten. Lykien war eine blühende anatolische Zivilisation zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert v. Chr., und entlang des Weges sind die Überreste dieser Kultur buchstäblich auf dem Boden verstreut: in den Felsen gehauene Felsengräber, an den Rändern der Pfade verlassene Sarkophage, Überreste von Städten wie Patara, Xanthos und Letoon, wobei die letzten beiden als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt sind.
Die Strecke: was man beim Wandern trifft

Der komplette Weg verbindet Ölüdeniz mit Antalya und führt durch Küstendörfer, bewaldete Hochflächen und steil abfallende Klippen zum Meer. Es handelt sich nicht um einen geraden und flachen Pfad: die Höhenunterschiede sind erheblich, mit Abschnitten, die über 1.800 Meter über dem Meeresspiegel in den inneren Gebieten nahe dem Monte Tahtalı steigen. Wer wandert, wird unversehrte römische Zisternen, im Freien ausgelegte Mosaiken und an einigen Stellen Überreste von gepflasterten Straßen aus der lykischen und später römischen Zeit antreffen.
Entlang des Weges durchquert man Dörfer wie Kabak, das nur zu Fuß oder mit dem Jeep erreichbar ist, wo kleine lokale Pansiyons Schlafplätze und hausgemachte Mahlzeiten anbieten. Die Vegetation ändert sich mit der Höhe: niedriger mediterraner Strauch und wilde Olivenbäume entlang der Küste, dann dichte Kiefernwälder und Eichen in höheren Lagen. Im Frühling, zwischen März und Mai, ist der Pfad mit wilden Orchideen und Asphodelen übersät.
Die spektakulärsten Abschnitte
Die Strecke zwischen Butterfly Valley (Kelebekler Vadisi) und Kabak gilt als eine der spektakulärsten: Man wandert auf Kämmen, die vertikal zum Meer abfallen, mit Blick auf die griechischen Inseln am Horizont an klaren Tagen. Das Butterfly Valley verdankt seinen Namen der saisonalen Anwesenheit des Schmetterlings Jersey Tiger (Euplagia quadripunctaria), der die Schlucht während der Sommermonate bevölkert.
Ein weiterer sehr frequentierter Abschnitt führt durch Kayaköy, das Geisterdorf, das in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts nach dem Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei verlassen wurde. Die dachlosen Steinhäuser klettern hunderte von Metern den Hügel hinauf und schaffen eine surreale Landschaft, die der Pfad direkt durchquert. Der Eintritt in das Gebiet von Kayaköy erfordert ein Eintrittsticket von wenigen Euro.
Wann man gehen und wie man sich organisieren kann
Die beste Zeit, um den Lycian Way zu begehen, ist April-Mai oder Oktober-November. Im Sommer können die Temperaturen an der Küste 40°C überschreiten, was die exponierten Abschnitte gefährlich und körperlich anstrengend macht. Im Winter können einige Strecken in höheren Lagen schneebedeckt sein. Der Frühling bietet Temperaturen zwischen 18 und 25°C, üppige Vegetation und aktive Wasserquellen entlang des Weges.
Es ist nicht notwendig, den gesamten Weg zu gehen: Viele Wanderer wählen Abschnitte von 3-7 Tagen, die von Ölüdeniz oder Kaş aus starten. Die lokalen öffentlichen Verkehrsmittel — dolmuş und Minibusse — ermöglichen es, viele Zugangspunkte zum Weg ohne eigenes Auto zu erreichen. Es wird empfohlen, ausreichend Wasser für mindestens 3-4 Stunden Wanderung mitzunehmen, da die Brunnen in den Dörfern in den trockenen Monaten nicht immer garantiert sind.
Praktische Tipps für Abreisende
Die Markierung des Lycian Way besteht aus weißen und roten Farbstreifen auf Felsen und Baumstämmen, ähnlich dem französischen GR-System. An einigen Stellen ist die Markierung unregelmäßig, daher ist es unerlässlich, eine Papierkarte oder die Offline-App zur Hand zu haben. Der offizielle Führer von Kate Clow, der regelmäßig aktualisiert wird, bleibt das zuverlässigste Werkzeug für die detaillierte Planung der Etappen.
Für diejenigen, die sich auf einen Vorgeschmack des Weges beschränken möchten, bietet die Wanderung zum Kap Babadağ — dem Berg, von dem die Paraglider sichtbar aus der Lagune starten — einen halben Tag Trekking mit außergewöhnlichen Ausblicken, ohne dass spezielle Ausrüstung erforderlich ist. Wanderschuhe mit robuster Sohle sind jedoch auf jedem Abschnitt des Pfades unerlässlich.
