
Im Morgengrauen, bevor das Licht durch die Baumkronen dringt, hört man den Gesang der Gibbons. Es ist ein langer, modulierter Klang, der zwischen den bewaldeten Hängen des Naturschutzgebiets Nam Ha im Norden von Laos widerhallt. Es ist kein Hintergrundgeräusch: Es ist der Soundtrack eines Ökosystems, das noch funktioniert, unberührt, fernab der Massentouristenrouten in Südostasien.

Das Naturschutzgebiet Nam Ha erstreckt sich über 222.400 Hektar Bergwald in der Provinz Luang Namtha und macht es zu einem der größten Naturschutzgebiete der gesamten Region. Der Hauptzugangspunkt ist die Stadt Luang Namtha, von wo aus organisierte Touren zu den inneren Dörfern starten, darunter auch die in der Nähe von Ban Nam Sing Noi. Der Wald bedeckt Höhenlagen von über tausend Metern, mit einer Vegetation, die sich mit der Höhe ändert und eine dokumentierte und überprüfbare Biodiversität beherbergt.
Ein Wald mit über 300 Vogelarten

Für Vogelbeobachter ist Nam Ha einer der bedeutendsten Orte in Laos. Die über 300 Vogelarten, die in der Region erfasst wurden, umfassen seltene Arten, die mit dem Primärwald verbunden sind und anderswo schwer zu beobachten sind. Wenn man in den frühen Morgenstunden die Wege entlanggeht, ist es üblich, Hornvögel — die charakteristischen Nashornvögel mit ihrem hornförmigen Schnabel — zu sehen, die zwischen den Obstbäumen des Waldes fliegen. Ihre Rufe sind unverwechselbar und gehen oft dem visuellen Sichtung voraus.
Die Anwesenheit dieser Vögel ist ein direkter Indikator für die Gesundheit des Ökosystems: Die Nashornvögel sind auf sehr alte Bäume zum Nisten und auf zusammenhängende Wälder zum Wandern angewiesen. Die Tatsache, dass sie in signifikanten Zahlen in Nam Ha vorhanden sind, sagt etwas Konkretes über die Qualität der verbleibenden Walddeckung aus.

Leoparden und Gibbons: die großen Säugetiere des Waldes
Unter den in der Region dokumentierten Säugetieren befinden sich der Leopard (Neofelis nebulosa) und verschiedene Arten von Gibbons. Einen Leoparden zu sichten, ist selbst für diejenigen, die im Wald arbeiten, selten: Es handelt sich um einen nachtaktiven und scheuen Feliden, dessen Spuren leichter durch Fotofallen als durch direkte Beobachtung erfasst werden. Die Gibbons hingegen sind jeden Morgen zu hören, und mit ein wenig Glück und Geduld ist es möglich, sie während geführter Wanderungen zwischen den Baumkronen zu entdecken.

Die lokalen Führer, die oft zu den ethnischen Gemeinschaften der Akha oder Khmu gehören, die in den Dörfern innerhalb des geschützten Gebiets leben, kennen die Wege und das Verhalten der Fauna mit einer Präzision, die kein schriftlicher Führer nachahmen kann. Sie wissen, wo man suchen muss, zu welcher Jahreszeit, und was ein bestimmter Ruf im Wald bedeutet.
Übernachtung in den Akha- und Khmu-Dörfern

Die Trekkingtouren in kleinen Gruppen, die von Luang Namtha organisiert werden, beinhalten Übernachtungen in den Dörfern der ethnischen Minderheiten innerhalb des geschützten Gebiets. Die Akha- und Khmu-Dörfer bewahren traditionelle Holz- und Bambusarchitekturen mit Häusern auf Stelzen. In diesen Dörfern zu schlafen ist keine Inszenierung: Die gastgebenden Familien kochen mit lokalen Zutaten – Gemüse aus dem Wald, Klebreis, manchmal erlaubtes Wildfleisch – und das Dorfleben geht normal um die Gäste weiter.
Dieses Modell des gemeinschaftlichen Ökotourismus wurde seit den 1990er Jahren mit Unterstützung der UNESCO und internationaler Organisationen entwickelt, mit dem ausdrücklichen Ziel, den Naturschutz für die lokalen Gemeinschaften wirtschaftlich vorteilhaft zu gestalten. Die Einnahmen aus den Trekkingtouren werden teilweise an die Dörfer verteilt, die die Gruppen beherbergen.
Wie man den Besuch organisiert
Der logistische Ausgangspunkt ist Luang Namtha, erreichbar mit dem Bus von Luang Prabang in etwa 7-8 Stunden oder mit Inlandsflügen von Lao Airlines. Von Luang Namtha aus organisieren zertifizierte lokale Agenturen Trekkingtouren von 2 oder 3 Tagen mit englischsprachigen Führern und Übernachtungen in Dörfern. Die Preise variieren, aber eine 2-tägige Tour mit allem inklusive liegt normalerweise zwischen 50 und 80 Dollar pro Person, mit ermäßigten Tarifen für größere Gruppen.
Die beste Zeit, um Nam Ha zu besuchen, ist zwischen November und Februar, in der Trockenzeit: die Wege sind begehbar, die Vegetation ist weniger dicht und die Tierwelt ist während der kühlen Morgenstunden aktiver. Während der Regenzeit, von Mai bis Oktober, werden viele Wege rutschig und die Flüsse können schwer zu überqueren sein. Wasserdichte Wanderschuhe sind in jeder Jahreszeit empfehlenswert, ebenso wie ein wirksames Insektenschutzmittel: der Bergwald ist schön, aber Insekten gehören zur Erfahrung dazu.
