Das Theater von Pergamon ist so geneigt, dass es fast vertikal erscheint: Es wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. an der steilen Seite des Hügels erbaut, und seine Sitzreihen fallen mit einem Winkel von etwa 80 Grad zur darunterliegenden Ebene ab. Auf diesen Steinen zu sitzen bedeutet, auf das moderne Bergama hinunterzuschauen, als würde man gleich hinunterstürzen, während der Wind vom Ägäischen Hinterland den Hang hinaufweht. Es ist kein zufälliger Bühneneffekt — es war eine zwingende architektonische Wahl, die durch die Morphologie des Hügels diktiert wurde, den die Attaliden als Sitz ihres Königreichs gewählt hatten.
Pergamon war von 281 v. Chr. bis 133 v. Chr. die Hauptstadt des Königreichs der Attaliden, als der letzte König, Attalos III., das gesamte Königreich testamentarisch an Rom hinterließ. In diesen 150 Jahren wurde die Stadt zu einem der lebhaftesten intellektuellen und künstlerischen Zentren der hellenistischen Welt, mit einer Bibliothek, die laut antiken Quellen etwa 200.000 Bände enthielt und mit der von Alexandria in Ägypten rivalisierte. Heute bedeutet der Aufstieg zur Akropolis von Bergama, diese Jahrhunderte physisch Stein für Stein zu durchqueren.
Der Tempel des Trajan und die heilige Terrasse
Auf dem Gipfel der Akropolis erhebt sich der Tempel des Trajan, eines der imposantesten Gebäude des Geländes und eines der wenigen, die einem während seines Lebens vergöttlichten römischen Kaiser gewidmet sind. Erbaut während der Herrschaft von Trajan (98-117 n. Chr.) und unter Hadrian vollendet, wurde der Tempel teilweise durch einen Anastylose-Eingriff rekonstruiert, der einige der originalen korinthischen Säulen wieder aufgestellt hat. Das Ergebnis ist eine weiße Säulenreihe, die die höchste Terrasse der Akropolis dominiert und aus Kilometern Entfernung in der Ebene sichtbar ist.
Was physisch beeindruckt, ist die künstliche Plattform, auf der der Tempel steht: Die Römer bauten riesige unterirdische Gewölbe, um das unebene Gelände des Gipfels des Hügels zu ebnen. Diese gewölbten Räume, die heute besichtigt werden können, geben einen konkreten Eindruck von der Dimension des römischen Ingenieurwesens. Beim Gehen unter den Bögen spürt man das Gewicht der darüber liegenden Struktur und versteht, warum es Jahrzehnte dauerte, das Gebäude zu vollenden.
Der Altar des Zeus und seine moderne Geschichte
Der Altar des Zeus in Pergamon, errichtet im 2. Jahrhundert v. Chr. unter der Herrschaft von Eumenes II, gilt als eines der Meisterwerke der hellenistischen Skulptur. Das originale Fries, etwa 113 Meter lang, stellt die Gigantomachie dar — den Kampf zwischen Göttern und Giganten — mit einem Dynamismus und einer expressiven Gewalt, die barocke Tendenzen vorwegnehmen. Das Problem ist, dass dieses Fries nicht in Bergama zu finden ist: Es wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom deutschen Ingenieur Carl Humann erworben und nach Berlin transportiert, wo es heute im Pergamonmuseum ausgestellt ist.
Auf dem Gelände bleibt nur die Basis des Altars, erkennbar als eine große rechteckige Plattform im zentralen Bereich der Akropolis. Die Türkei hat mehrfach die Rückgabe des Frieses an Deutschland gefordert, bisher jedoch ohne Erfolg. Für Besucher von Bergama ist diese Abwesenheit selbst ein greifbares historisches Faktum: Man steht vor einer der wichtigsten Grundlagen der antiken Architektur der Mittelmeerwelt, entleert von ihrem Hauptinhalt.
Asklepios: das Heiligtum der Heilung
Etwa zwei Kilometer von der Akropolis entfernt, in der Ebene, steht das Asklepios von Pergamon, eines der berühmtesten Heiligtümer, die in der Antike Asklepios gewidmet waren. Es war ein medizinisch-religiöses Zentrum, in dem Kranke empfangen wurden, um Heilungen zu erhalten, die religiöse Praktiken, Wassertherapien, Traumdeutungen und physische Behandlungen kombinierten. Galen, der einflussreichste Arzt der Antike nach Hippokrates, wurde um 129 n. Chr. in Pergamon geboren und bildete sich teilweise genau hier aus.
Der Ort bewahrt eine heilige Säulenstraße, ein Theater, Thermen und einen unterirdischen Tunnel, durch den die Patienten gingen und dem Geräusch des fließenden Wassers lauschten – eine Art psychologischer Therapie avant la lettre. Der Tunnel ist noch begehbar und seine Dunkelheit, unterbrochen von runden Öffnungen in der Decke, die Licht filtern, schafft eine ganz besondere Atmosphäre. Der Kombieintritt für Akropolis und Asklepios kostet in der Regel zwischen 10 und 20 Euro, es ist jedoch ratsam, die aktuellen Tarife direkt vor Ort oder auf der Website des türkischen Kulturministeriums zu überprüfen.
Praktische Tipps für den Besuch
Bergama ist von Izmir in etwa anderthalb Stunden mit den regelmäßig abfahrenden Intercity-Bussen vom Hauptbusbahnhof zu erreichen. Einmal in der Stadt verbindet eine Standseilbahn (Teleferik) die Altstadt mit der Akropolis und erspart den Aufstieg zu Fuß entlang der asphaltierten Straße. Der wichtigste Rat ist die Akropolis in den frühen Morgenstunden zu besuchen, vor 9:00 Uhr: Das schräg einfallende Licht hebt die Texturen des Steins hervor und die Temperaturen sind auch im Sommer erträglich, wenn der Ort sehr heiß und von organisierten Gruppen überfüllt werden kann.
Mindestens einen halben Tag für die Akropolis und einen weiteren halben Tag für das Asclepion einzuplanen, ist realistisch. Das Archäologische Museum von Bergama im Stadtzentrum verdient eine zusätzliche Stunde, um die verbliebenen kleineren Funde im Kontext zu betrachten. Rutschfeste Schuhe sind unerlässlich: Die Steine der Akropolis, insbesondere in der Nähe des Theaters, sind glatt und rutschig, selbst wenn sie trocken sind.