Der erste Eindruck vom Siq — der engen und kurvenreichen Schlucht, die ins Herz von Petra führt — ist physisch, bevor er visuell wird. Die Sandsteinwände verengen sich auf wenige Meter Breite, das Licht verwandelt sich in ein goldenes Halbdunkel, und dann, plötzlich, erscheint zwischen zwei Felsen die Fassade des Khazneh: neununddreißig Meter hoch, direkt in die Klippe gemeißelt, korinthische Säulen, Urnen und mythologische Figuren, die aus dem Stein hervortreten, als hätte jemand einen Schleier entfernt. Dies ist der Moment, für den man nach Petra kommt.
Die Stadt wurde von den Nabatäern erbaut, einem Volk von außergewöhnlichen Händlern und Architekten, die die Karawanenrouten zwischen Arabien, Ägypten und dem Mittelmeer seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. kontrollierten. Auf ihrem Höhepunkt, um das 1. Jahrhundert n. Chr., war Petra die Hauptstadt eines wohlhabenden Königreichs mit Zehntausenden von Einwohnern. Die Römer annektierten sie im Jahr 106 n. Chr. und machten sie zur Hauptstadt der Provinz Arabia Petraea. Heute erstreckt sich die archäologische Stätte über etwa 264 Quadratkilometer, aber die meisten Besucher konzentrieren sich auf den zentralen Kern, der an einem intensiven Tag zu Fuß erkundet werden kann.
Das Khazneh und die Hauptmonumente
Das Khazneh — umgangssprachlich „der Schatz“ genannt wegen einer lokalen Legende, die verborgenes Gold darin vermutete — ist in Wirklichkeit ein königliches Grabmal der Nabatäer, wahrscheinlich für König Aretas IV im 1. Jahrhundert v. Chr. erbaut. Die Fassade ist etwa 40 Meter hoch und 28 Meter breit, und der Lichteffekt am frühen Morgen, wenn die Sonne direkt auf den rosa-rot gefärbten Stein scheint, ist schwer zu beschreiben. Aufmerksame Touristen werden die Einschusslöcher auf der großen zentralen Urne bemerken: Über Jahrhunderte schossen die einheimischen Beduinen darauf, überzeugt davon, dass sie verborgene Schätze enthielt.
Wenn man die Säulenstraße entlanggeht — eine römische Straße, die mit den Überresten von Portiken auf beiden Seiten gepflastert ist — erreicht man das Qasr al-Bint, eines der wenigen nabatäischen Gebäude, die aus Steinblöcken anstelle von in den Felsen gehauenen Steinen gebaut wurden. Es war wahrscheinlich ein Tempel, der einer nabatäischen Gottheit gewidmet war, vielleicht Dushara, dem Hauptgott des Pantheons. Ein Stück weiter beherbergt das Nabateische Museum Skulpturen und Keramiken, die helfen, das, was man auf dem Gelände sieht, in den Kontext zu setzen.
Das Kloster: der Aufstieg, der jeden Schritt wert ist
Das Ad-Deir, bekannt als das Kloster, ist das größte Monument von Petra: seine Fassade misst etwa 50 Meter in der Breite und 45 in der Höhe und übertrifft sogar die Größe des Khazneh. Um dorthin zu gelangen, muss man etwa 800 Stufen, die in den Felsen gehauen sind, hinaufsteigen — ein Weg, der zwischen 45 Minuten und einer Stunde dauert — aber die Aussicht von der vorgelagerten Plattform, mit der jordanischen Wüste, die sich am Horizont öffnet, rechtfertigt jede Anstrengung. Der Name „Kloster“ stammt von christlichen Kreuzen, die in die Innenwände eingraviert sind, ein Zeichen dafür, dass das Gebäude von den Christen in der byzantinischen Zeit wiederverwendet wurde.
Auf dem Weg nach oben trifft man auf Teeverkäufer und kleine schattige Unterkünfte, die von Beduinen betrieben werden. Es ist einer der authentischsten Aspekte des Erlebnisses: Petra ist nicht nur ein Freiluftmuseum, sondern ein Ort, der immer noch von Gemeinschaften bewohnt wird, die seit Generationen in diesen Felsen leben. Der Stamm der Bdoul, der historisch an diesem Ort ansässig war, wurde in den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts außerhalb des geschützten Gebiets umgesiedelt.
Die Kultstätten und die nabatäische Spiritualität
Petra war eine zutiefst religiöse Stadt. Die Nabatäer verehrten Gottheiten, die mit den natürlichen Elementen verbunden waren, und schnitzten in die Wände der Schlucht Hunderte von Betyls — rechteckige Blöcke, die die göttliche Präsenz darstellten, ohne menschliche Figuren abzubilden. Diese abstrakten Symbole sind überall auf dem Gelände zu finden, oft von hastigen Besuchern übersehen. Der Hohe Opferplatz, der über einen alternativen Aufstieg vom Zentrum des Geländes erreichbar ist, bietet eine Plattform mit zwei geschnitzten Obelisken und einem Altar, an dem religiöse Rituale stattfanden: Von dort hat man eine der umfassendsten Aussichten über das gesamte Tal.
Der religiöse Synkretismus von Petra ist auch in den königlichen Gräbern offensichtlich, die mit hellenistischen, römischen und nabatäischen Elementen vermischt dekoriert sind. Die Urnentomb, mit ihrer großen Terrasse, die von Bögen gestützt wird, wurde im Jahr 446 n. Chr. in eine christliche Kathedrale umgewandelt, wie eine noch sichtbare Inschrift im Inneren bezeugt.
Praktische Tipps für den Besuch
Das Eintrittsticket zum Petra Archäologischen Park kostet etwa 50 jordanische Dinar für einen Tag (etwa 65 Euro), mit Ermäßigungen für längere Aufenthalte. Der Ort ist von 6:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Früh zur Öffnung zu kommen, ist die beste Wahl: das Khazneh ist in den frühen Morgenstunden fast menschenleer und das Licht ist außergewöhnlich. Vermeiden Sie die Mittagsstunden im Sommer, wenn die Temperaturen über 35 Grad steigen und der Siq nicht genügend Schatten bietet. Bringen Sie mindestens zwei Liter Wasser und robuste Wanderschuhe mit: das Gelände ist uneben und die Distanzen sind erheblich. Ein vollständiger Besuch, der das Kloster einschließt, erfordert mindestens sechs Stunden. Wer mehr Zeit hat, kann einen zweiten Tag den weniger frequentierten Wegen widmen, wie dem Wadi Muthlim oder dem Pfad nach Little Petra, nur wenige Kilometer vom Hauptstandort entfernt.