Die Erde bebt unter den Füßen und die Luft riecht nach Schwefel. Der Piton de la Fournaise, was auf Kreolisch wörtlich "Gipfel des Ofens" bedeutet, ist einer der aktivsten Vulkane des Planeten: Er bricht im Durchschnitt ein- oder zweimal im Jahr aus, und in bestimmten Jahren sogar vier oder fünf Mal. Wenn die Lava in den Indischen Ozean fließt, verwandelt sich die Landschaft in etwas Urzeitliches, fast Alienhaftes, das kein Foto wirklich festhalten kann.
Der Vulkan befindet sich im südlichen Teil der Insel Réunion, im Gebiet von Saint-Philippe, und erreicht eine Höhe von etwa 2.632 Metern über dem Meeresspiegel. Er ist Teil des Nationalparks Réunion, der 2010 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt wurde. Es ist nicht nur ein Berg: Es ist ein lebendiges, sich ständig weiterentwickelndes vulkanisches System, das in den letzten Jahrhunderten eine der spektakulärsten Calderen der südlichen Hemisphäre geschaffen hat.
Die Landschaft der Caldera: Was man wirklich sieht
Wenn man in Richtung der Caldera namens Enclos Fouqué hinuntergeht, findet sich der Besucher plötzlich in einer Wüste aus schwarzem und rötlichem Gestein, die sich über Kilometer erstreckt. Die Vegetation verschwindet fast vollständig. Der Boden besteht aus erstarrten Lavaflüssen in verschiedenen Formen: der Pahoehoe-Lava, glatt und gewellt wie ein verdrilltes Seil, und der Aa-Lava, unregelmäßig und scharf wie zerbrochenes Glas. Das Gehen auf diesen Oberflächen erfordert robuste Schuhe und ständige Aufmerksamkeit.
Im Zentrum der Caldera erhebt sich der Gipfelkegel, der Dolomieu, der während des großen Ausbruchs von 2007 — einer der intensivsten der letzten Jahrzehnte — einen teilweisen Kollaps erlitten hat und einen über 300 Meter tiefen Krater geschaffen hat. Wenn der Vulkan in Ruhe ist, kann man sich dem Rand des Kraters nähern, indem man den markierten Wegen folgt. Der Geruch von Schwefeldioxid wird intensiver, je näher man kommt, und die weißen Fumarolen markieren die Risse im Boden wie kleine Dampffahnen.
Die Eruptionen und ihr einzigartiges Schauspiel
Der Piton de la Fournaise bricht mit einer Frequenz aus, die nur wenige Vulkane weltweit erreichen können. Das Observatoire Volcanologique du Piton de la Fournaise, gegründet im 1979 und gelegen in Bourg-Murat, überwacht die seismische Aktivität rund um die Uhr und veröffentlicht Echtzeit-Updates, die online zugänglich sind. Wenn eine Eruption gemeldet wird, grenzen die Behörden die Sicherheitszonen ab und organisieren in einigen Fällen kontrollierte Zugänge, um den Besuchern zu ermöglichen, die Lavaflüsse aus sicheren Entfernungen zu beobachten.
Die spektakulärsten Eruptionen sind die, die die Küste erreichen: die glühende Lava strömt in den Indischen Ozean und erzeugt riesige weiße Dampfsäulen, die auch aus Kilometern Entfernung sichtbar sind. Dieses Phänomen, lokal als Lava-Bench bezeichnet, hat im Laufe der Jahrhunderte die Fläche der Insel in Richtung Meer erweitert, und das Ergebnis kann man sehen, wenn man entlang der Route des Laves, der Küstenstraße, die durch die historisch erstarrten Lavaflüsse führt, spaziert.
Wie man den Besuch organisiert
Der Ausgangspunkt für die Ausflüge ist der Pas de Bellecombe-Jacob, der mit dem Auto über die Route du Volcan erreichbar ist. Von hier aus führt der Hauptweg hinunter in die Caldera und erreicht in etwa 3-4 Stunden Hin- und Rückweg den Gipfelkegel. Der Weg ist markiert, aber anspruchsvoll: der Höhenunterschied beträgt etwa 500 Meter und das unebene Gelände erfordert ein gutes Fitnesslevel.
Der wichtigste praktische Rat ist, bei Sonnenaufgang zu starten. Die Wolken neigen dazu, die Caldera am späten Vormittag zu umhüllen, wodurch die Sicht fast auf null reduziert wird. Wenn man um 6:00-6:30 Uhr am Parkplatz des Pas de Bellecombe ankommt, hat man die Gewissheit, mindestens den ersten Teil des Weges bei klarem Himmel und schrägem Licht zu gehen, das die Farbkontraste des Vulkangesteins hervorhebt. Ausreichend Wasser mitzunehmen ist unerlässlich: Es gibt keine Quellen entlang des Weges und die von dem schwarzen Gestein reflektierte Sonne verstärkt das Wärmeempfinden.
Praktische Informationen für den Besucher
Der Zugang zur Caldera ist kostenlos, aber geführte Touren mit zertifizierten Führern des Nationalparks kosten in der Regel zwischen 30 und 60 Euro pro Person, abhängig von der Dauer und der Art der gewählten Route. Die Führer kennen die Bedingungen des Geländes und sind über den Aktivitätsstatus des Vulkans informiert, was ihre Anwesenheit besonders für diejenigen empfehlenswert macht, die keine Erfahrung im Trekking auf Lava haben.
Vor der Abreise ist es unerlässlich, den Öffnungsstatus der Wanderwege auf der Website des Observatoire Volcanologique oder auf dem Portal des Parc National de La Réunion zu überprüfen: Im Falle von eruptiven Aktivitäten oder erhöhter seismischer Alarmstufe wird der Zugang zur Caldera aus Sicherheitsgründen geschlossen. Dies ist kein Nachteil, sondern eines der faszinierendsten Merkmale des Ortes: Der Vulkan entscheidet, wann er Besucher empfängt.