Das Porträt von Herrn und Frau Arnolfini gilt als eines der Meisterwerke des Künstlers und als eines der bedeutendsten Werke der flämischen Malerei. Die Komplexität des Gemäldes und seine rätselhafte Aura haben dazu geführt, dass zahlreiche Fragen gestellt wurden, die bis heute unbeantwortet geblieben sind. Flämische Werke sind bekannt für ihre eingehende Untersuchung von Licht und Lichteffekten und ihre Liebe zum Detail. Alltagsgegenstände, Pflanzen, Blumen, Gesichtsausdrücke und Kleidung: Kein Detail entgeht den flämischen Malern, und Jan van Eycks Porträt von Herrn und Frau Arnolfini aus dem Jahr 1434 zeigt alle Merkmale der flämischen Malerei.Giovanni Arnolfini ist der wohlhabende Kaufmann aus Lucca, der sich seit 1420 in Brügge niedergelassen hat und in diesem Gemälde von Van Eyck mit seiner Frau Giovanna dargestellt wird. Das gesamte Gemälde ist eine Dokumentation des sozialen und wirtschaftlichen Status der Familie Arnolfini: die Möbel, der Spiegel hinter den Figuren, der Kronleuchter. Alles ist in diesem Raum so angeordnet, dass es die Geschichte dieser beiden Frischvermählten erzählt, und für einige Gelehrte ist es die Darstellung der Hochzeitsfeier der beiden. Der Künstler beschreibt alles getreu und gibt genau eine der vielen reichen Residenzen der Kaufleute wieder, die während der Renaissance in Flandern lebten. Van Eyck malt die Gegenstände und man kann die Textur der Stoffe und den Geruch des Holzes in den Möbeln fast spüren. Vom ziselierten Messing des Kronleuchters bis zum weichen Pelz der Gewänder von Herrn und Frau Arnolfini ist alles originalgetreu beschrieben. Es gibt jedoch viele Symbole, wie den Hund, der für die eheliche Treue steht, den Apfel auf der Fensterbank, der die Passion Christi symbolisiert, oder die einzige brennende Kerze auf dem Kronleuchter, die an die Kürze des irdischen Daseins erinnert. Der Raum wird durch den Spiegel im Hintergrund auch aus einem anderen Blickwinkel gezeigt. Dieser Kunstgriff dehnt den gemalten Raum aus und lässt uns, die Betrachter, zu Zuschauern werden, als ob alles vor unseren Augen geschähe.