Der Pfad beginnt mit Schlamm. Das ist keine Metapher: Der Weg zum berühmten Aussichtspunkt über den Sørvágsvatn-See auf den Färöern ist ein unbefestigter Pfad, der durch ein offenes Moor führt, und nach jedem Regen — ein Ereignis, das in diesem Nordatlantik-Archipel alles andere als selten ist — macht man die ersten Schritte zwischen durchnässter Gras und Pfützen, die einen Himmel reflektieren, der ständig in Bewegung ist. Es ist genau dieses banale Detail, der Schlamm unter den Stiefeln, das die Ankunft am Rand der Klippe noch überraschender macht.
Sørvágsvatn, auch Sørvágsvatn/Leitisvatn genannt, je nach der lokalen Gemeinschaft, die ihn beansprucht, ist der größte See der Färöer, mit einer Fläche von etwa 3,4 Quadratkilometern. Er liegt auf der Insel Vágar, nur wenige Kilometer vom Dorf Sørvágur und dem internationalen Flughafen des Archipels entfernt. Und doch, trotz seiner Nähe zum Hauptzugang der Färöer, bewahrt der See eine authentische Einsamkeit, die man schon in den ersten Metern des Weges spürt.
Der Weg: fünf Kilometer zwischen Moor und Wind
Der geführte Pfad zum Aussichtspunkt misst etwa 5 Kilometer hin und zurück und benötigt im Durchschnitt zweieinhalb Stunden Gehzeit, einschließlich Fotopause. Man startet von einem Zugangspunkt in der Nähe von Sørvágur, wo in der Hochsaison ein obligatorischer Service von lokalen Führern aktiv ist — eine Maßnahme, die eingeführt wurde, um das fragile Ökosystem der Gegend zu schützen und die Sicherheit der Besucher entlang der exponierteren Abschnitte zu gewährleisten. Das Ticket für die geführte Tour kostet etwa 300 dänische Kronen pro Person, ein Betrag, der die Begleitung bis zum Aussichtspunkt beinhaltet.
Die Landschaft, die man durchquert, ist typisch für die Färöer: eine Ausdehnung von grün-grauem Moorland, ohne Bäume, mit herausragenden Felsen und Grasbüscheln, die der Wind ständig biegt. Entlang des Weges trifft man auf Kolonien von arktischen Seeschwalben, die am Boden nisten, und im Sommer ist es nicht selten, dass einige Exemplare versuchen, das Nest recht entschlossen zu verteidigen, indem sie über die Wanderer hinwegfliegen, nur wenige Zentimeter über dem Kopf. Es wird empfohlen, etwas in der Hand hochzuhalten — einen Trekkingstock oder auch nur einen Hut — um die Vögel abzulenken.
Die optische Täuschung: warum der See zu fliegen scheint
Der Aussichtspunkt ist auf einer Klippe zu erreichen, die direkt auf den Atlantik abfällt. Von hier aus, in nordwestlicher Richtung blickend, erscheint der See Sørvágsvatn in der Luft schwebend, als ob er Dutzende von Metern über dem Ozean schwebte. Der Effekt ist real und dokumentiert: Das südliche Ufer des Sees ist durch einen Streifen von Klippen vom Meer getrennt, die aus diesem bestimmten Winkel betrachtet vollständig aus dem Blickfeld verschwinden. Der Wasserspiegel des Sees liegt tatsächlich etwa 30 Meter über dem Meeresspiegel, aber das menschliche Auge, das jeglichen Zwischenbezug vermisst, nimmt ihn als im Nichts über den Wellen schwebend wahr.
Das Foto dieser Illusion ist im Laufe der Jahre eines der am häufigsten geteilten Motive der Färöer-Inseln in sozialen Medien geworden und hat dazu beigetragen, Vágar zu einem der meistgesuchten Ziele im Nordatlantik zu machen. Aber in der Realität ist der Effekt noch kraftvoller als jedes Bild: Der Meereshorizont verschmilzt mit dem grauen Himmel, die Wellen brechen an den Felsen unten, und der See bleibt still und lautlos über all dem, fast gleichgültig.
Was man auf dem Weg beobachten kann und praktische Tipps
Wer den Pfad aufmerksam geht, wird neben den Sternen auch Wasserfälle bemerken, die entlang der Felsen ins Meer stürzen — der See entleert sich durch einen dieser Wasserfälle, den Bøsdalafossur, der vom Aussichtspunkt aus sichtbar ist. Im Frühling und frühen Sommer beherbergen die grasbewachsenen Wände der Klippen auch die Papageitaucher, die an ihrem orangefarbenen Schnabel und ihrem unbeholfenen, aber präzisen Flug zu erkennen sind.
Die beste Zeit für einen Besuch ist früh am Morgen, vorzugsweise zwischen 7 und 9 Uhr, wenn das schräg einfallende Licht die Kontraste zwischen dem dunklen Wasser des Sees und dem Grün des Hochmoors betont und die Touristengruppen noch klein sind. Die lokalen Führer sind in der Regel von Mai bis September aktiv; außerhalb der Saison kann der Zugang freier, aber auch riskanter sein, da die Wege nicht dauerhaft markiert sind und der Wind beträchtliche Geschwindigkeiten erreichen kann. Wasserdichte Kleidung und robuste Stiefel sind kein Optional: Sie sind die Mindestvoraussetzung, um diesen Teil der Färöer unter jeglichen Wetterbedingungen zu bewältigen.
Wie man nach Sørvágsvatn kommt
Der Flughafen Vágar ist der wichtigste internationale Flughafen der Färöer-Inseln und liegt weniger als 5 Kilometer vom Ausgangspunkt des Pfades entfernt. Vom Dorf Sørvágur aus kann man den Zugangspunkt zu Fuß oder mit dem Auto erreichen. Wer aus der Hauptstadt Tórshavn ankommt, kann den Linienbus 300 nach Sørvágur nehmen, wobei die Fahrt durch den Unterwassertunnel führt, der die Inseln Streymoy und Vágar verbindet. Der Tunnel, der 2002 eröffnet wurde, ist gebührenpflichtig und stellt einen der interessantesten infrastrukturellen Abschnitte des Archipels dar.