Die Villa Lysis ist ein besonderer und geheimnisvoller Ort, der untrennbar mit der Figur des Jacques d'Adelswärd Fersen verbunden ist, jenem Pariser Adligen, der sich freiwillig ins Exil auf die Insel Capri begab, um den Skandalen zu entkommen, die ihn in seiner Heimat verschlungen hatten. 1904 von Graf Fersen selbst erbaut, spiegelt die Villa Lysis seine eklektische Persönlichkeit wider: elegant, exzentrisch, luxuriös, zurückhaltend und zugleich opulent. Hier konnte der Graf endlich bis ans Ende seiner Tage seine Liebesgeschichte mit dem jungen Römer Nino Cesarini in völliger Intimität genießen. Aber die Villa Lysis war nicht nur Fersens Einsiedelei, sondern auch ein Bezugspunkt für Künstler, Intellektuelle, Dichter und Schriftsteller, die auf Capri ankamen und ab Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die Insel frequentierten und ihre Schönheit priesen. Ein Besuch der Villa Lysis macht Sie buchstäblich sprachlos: die Schönheit fällt Ihnen auf, sobald Sie die Schwelle überschreiten. Man muss nur die intimen Winkel, den Garten und die herrlichen Säle mit ihrer kostbaren Einrichtung und dem wertvollen Marmor bewundern, in denen die verschiedensten stilistischen Verunreinigungen widerhallen, vom Stil Ludwigs XVI. bis zur neoklassischen Theatralik, von der griechischen Grandezza bis zu den gewundenen Formen des Jugendstils, von der Vergoldung der Wiener Sezession bis zum orientalischen Stil. Aber die Schönheit umhüllt Sie auch gleich außerhalb der Villa Lysis, dank des spektakulären Panoramas, das sich von dieser herrlichen Villa aus eröffnet, die auf einem Sporn mit Blick auf das Meer und die Bucht von Marina Grande gebaut ist. Der Zugang zur Villa Lysis erfolgt über eine imposante Treppe, die in einem Peristyl mit ionischen Säulen gipfelt, das von der lateinischen Inschrift "Amori et Dolori Sacrum" umrahmt wird, die Fersen selbst als Sinnbild seiner gequälten Existenz wünschte.