Das Camonica-Tal in den norditalienischen Alpen beherbergt eine der größten Sammlungen von Felsgravuren der Welt. Die Felskunst des Camonica-Tals, die auf etwa 2000 Felsen in mehr als 180 Orten in 24 verschiedenen Gemeinden bezeugt ist, wurde 1979 als erste UNESCO-Welterbestätte in Italien anerkannt, und zwar für einen anfänglichen Kern von mehr als 140.000 Figuren, zu dem im Laufe der Zeit neue Entdeckungen hinzukamen, bis zu einer aktuellen Schätzung von mehr als 200.000. Eine wahre Galerie prähistorischer Kunst, die man auf einer naturalistischen Reise durch die Schönheit des Tals besuchen kann. Mehr als 140.000 Symbole und Figuren, die über einen Zeitraum von etwa 8000 Jahren in den Fels geritzt wurden, beschreiben Themen aus den Bereichen Landwirtschaft, Navigation, Kriegsführung, Jagd und Magie, stellen aber auch symbolische geometrische Figuren dar.
Die ersten Spuren des Menschen im Valle Camonica reichen mindestens dreizehntausend Jahre zurück, als das Gebiet nach dem Abschmelzen der Gletscher erstmals von Menschen besiedelt wurde, aber erst mit dem Beginn der Jungsteinzeit (5.-4. Jahrtausend v. Chr.) ließen sich die ersten Bewohner dauerhaft im Tal nieder. Bestimmte anthropomorphe Figuren (die so genannten "Oranten", schematische menschliche Wesen mit nach oben gerichteten Armen) und bestimmte "topografische Darstellungen" werden traditionell auf diese Phase datiert.
Während des Eneolithikums (3. Jahrtausend v. Chr.), mit der Entwicklung der frühen Metallurgie, der Entdeckung des Pfluges und der Fortbewegung auf Rädern, verbreiteten sich im Valle Camonica zahlreiche Schreine, die aus eingravierten Felsenmenhiren bestanden. Der Höhepunkt der Gravurkunst im Tal wurde mit der Eisenzeit (1. Jahrtausend v. Chr.) erreicht, auf die etwa 75 % der Gravuren zurückgehen.
Mit der Unterwerfung unter das Römische Reich (16 v. Chr.) begann der Niedergang der Kupferstichkunst im Camonica-Tal, abgesehen von einer kurzen Wiederbelebung im Spätmittelalter.
Acht archäologische Parks und ein nationales Museum für Vorgeschichte wurden eingerichtet, um den Komplex der Felsarchäologie zu erweitern.