Einer der sensationellsten Funde aus dem Heiligtum des Herkules Curino in Sulmona ist die kleine Bronzestatue des Herakles, die bei den Ausgrabungen des kleinen Tempels auf der oberen Terrasse zusammen mit der ebenfalls kleinen Marmorstatue des Herkules Kubaner gefunden wurde. Der Held mit dem muskulösen Körper eines Athleten wird in reifem Alter dargestellt, stehend, mit einem dicken, zotteligen Bart, auf die Keule gestützt, an der der Löwe hängt, wobei der linke Arm verlassen ist, während der rechte hinter dem Rücken gebogen ist, um die verlorenen Knöpfe der Hesperiden, vermutlich in Gold, zu stützen. Der Kopf könnte von einer Krone aus Silberblättern umgeben gewesen sein, die ebenfalls verloren gegangen ist. Weitere Farbeffekte wurden durch die Darstellung der Augen mit Emaille und auch durch die gleiche Wachsausschmelztechnik erzielt, bei der der Kupferanteil in den Bereichen, die eine andere Farbe annehmen sollten (Lippen, Brustwarzen), höher war.
Das außerordentliche Zeugnis, das die kleine Bronzestatue bietet, besteht darin, dass sie in ihren kleinen Abmessungen (39 cm hoch) ein Werk von Lisippo (4. Jh. v. Chr.) getreu wiedergibt, das von drei ikonographischen Typen und zahlreichen Repliken bekannt ist. Unter diesen kann der Herakles von Sulmona als eine der qualitativ hochwertigsten "Autorennachbildungen" betrachtet werden, die auch bis ins 3. Jahrhundert v. Chr. zurückreichen könnten.
Der runde Sockel aus einer anderen Bronzelegierung trägt die Inschrift in Silber agemina: M(arcus) Attius Peticius Marsus v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito). Die Widmung, die auf die ersten Jahre des ersten Jahrhunderts n. Chr. datiert wird, dokumentiert die Schenkung an Herakles durch eine Persönlichkeit aus dem Geschlecht der gens Peticia, die seit der augusteischen Zeit für den Handelsverkehr im Mittelmeerraum bekannt ist und durch Inschriften im Peligna-Gebiet vom ersten Jahrhundert v. Chr. bis zum vierten Jahrhundert n. Chr. belegt ist. Die von Peticio Marso gewidmete kleine Bronze ist daher ein Geschenk, das als "Antiquität" um so kostbarer ist. Der ruhende Herkules ist im Archäologischen Nationalmuseum Villa Frigerj in Chieti ausgestellt.