Das Seidenmuseum des Realen Belvedere von San Leucio hält sich an die Veranstaltung mit Besichtigungen unter ausschließlicher Führung. Während der Besuche wird ein großer Raum dem Leben der Fabrik und der Geschichte der Kolonie Leucia gewidmet sein, wobei auch Vergleiche mit anderen zeitgenössischen europäischen Produktionsaktivitäten gezogen werden, womit dem vom Europarat für diese Ausgabe vorgegebenen Thema "Die Kunst des Teilens" Rechnung getragen wird. Der Monumentalkomplex des Belvedere von San Leucio, der 1997 von der UNESCO zusammen mit dem Königspalast und dem Aquädukt von Carolino zum Weltkulturerbe gewählt wurde, befindet sich im gleichnamigen Weiler der Gemeinde Caserta. Ab 1773 wurde auf Geheiß Ferdinands IV. des bourbonischen Königs von Neapel der Palagio di Belvedere aus dem sechzehnten Jahrhundert in ein Zentrum für die Seidenherstellung umgewandelt, der einzige Fall einer Fabrik innerhalb einer königlichen Residenz in Europa. Der mit den Arbeiten beauftragte Architekt war Francesco Collecini, ein Schüler von Luigi Vanvitelli. Die ursprüngliche Idee der Schaffung von "Ferdinandopoli" (eine ideale Stadt, inspiriert von den Prinzipien der Gleichberechtigung mit Theater, Krankenhaus, Dom, Grünflächen und Pflichtschule) wurde leider nur teilweise verwirklicht, aber die Ideen der aufklärerischen Erneuerung wurden vom König im "Gesetzbuch der Gesetze" sanktioniert, einem für die damalige Zeit revolutionären normativen Akt. So entstand 1789 die Königliche Seidenkolonie von San Leucio. In dieser Gemeinschaft gab es keine Klassenunterschiede: Jeder war ein Künstler, alle waren gleich, sie zeichneten sich nur durch ihr Fachwissen in der Textilkunst aus. Bald überschritten der Ruhm und die Schönheit der in der Kolonie hergestellten raffinierten und kostbaren Seidenstoffe (Damaste, Lampas, Liserè und Brokate) die Grenzen des Staates und brachten diese Artefakte an die angesehensten europäischen Gerichte. Noch heute findet man leukanische Seiden im Vatikan, im Quirinale, im Ovalsaal des Weißen Hauses. Seit den 60er Jahren des Jahres 1900 langsam in einen Zustand der Verwahrlosung verfallen, wurde der Palast nach einer wichtigen Restaurierungsarbeit im Jahr 2000 schließlich wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute kann im Inneren des Palastes das Seidenmuseum besichtigt werden, in dem alle Maschinen und Geräte aus der Zeit der Seidenverarbeitung ausgestellt sind; das Königliche Appartement, das vom ersten Hofmaler Philiph Hackert, von Fedele Fischetti, von Giuseppe Cammarano, von Carlo Brunelli dekoriert wurde; die Königlichen Terrassengärten.