Gezuckerte Mandeln wurden in Sulmona bereits im Mittelalter hergestellt, allerdings werden sie nicht als "confetto", sondern als "confettura" bezeichnet, ein Begriff, der unter anderem für geschälte und mit Honig überzogene Mandeln und Walnüsse verwendet wird. Sie werden von Boccaccio im Dekameron erwähnt, und auch in anderen Dokumenten berühmter Historiker jener Zeit wird der Brauch erwähnt, bei Hochzeiten gezuckerte Mandeln zu verwenden und auf das Brautpaar zu werfen. Im 15. Jahrhundert waren es die Klarissinnen des Klosters Santa Chiara in Sulmona, die die ersten kleinen Sträuße aus gezuckerten Mandelblüten herstellten und sie mit Seidenfäden umwickelten, um den zu verheiratenden Adeligen zu huldigen. Im 17. Jahrhundert wurde die gezuckerte Mandel in der Form und mit den Zutaten, die wir heute kennen, aufgrund der Kosten und der Knappheit des Rohstoffs Zucker, der aus dem Ausland importiert wurde, zu einem Luxusprodukt. Er war ein willkommenes Geschenk für Fürsten und Bischöfe, die einzigen, die es sich leisten konnten, nach Belieben Zucker zu essen. Nur am Fest Mariä Himmelfahrt, dem 15. August, stellte der Magistrat der Stadt zusammen mit anderen Adligen einen Wagen auf, von dem aus sie gezuckerte Mandeln unter das Volk warfen. Bereits 1846 gab es in Sulmona etwa 12 Fabriken für gezuckerte Mandeln, die so berühmt und geschätzt waren, dass sie in ganz Italien exportiert wurden. Was den "Confetto di Sulmona" einzigartig macht, ist zum einen das exklusive Verarbeitungspatent, das es dem Zucker ermöglicht, sich ohne Zugabe von Stärke und Mehl mit den Mandeln oder anderen Zutaten zu verbinden, und zum anderen die hervorragende handwerkliche Verarbeitung. Wer zum ersten Mal nach Sulmona kommt, wird von den zahlreichen Körben mit bunten und unterschiedlich geformten Mandelblüten verzaubert, die in den zahlreichen Kunsthandwerksläden der Altstadt ausgestellt sind. Es ist schwer, einer Weizenähre, einer Weintraube oder einem nach Zucker und Mandeln duftenden Stiefmütterchen gleichgültig gegenüberzustehen. Außerdem hat jedes Fest oder jeder besondere Anlass sein eigenes Confetto: Hellblau oder Rosa für Geburten, Rot für Abschlussfeiern, Silber und Gold für Hochzeitsjubiläen und vieles mehr. Es heißt, dass Giacomo Leopardi wenige Stunden vor seinem Tod einen "Confetto Cannellino di Sulmona" essen wollte, der seither das Adelsprädikat "di Leopardi" erhalten hat.
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