Umgeben von Reisfeldern (die von Mitte April bis Mitte Mai überschwemmt sind), war Vercelli schon immer ein wichtiges landwirtschaftliches und kommerzielles Zentrum, vor allem für den Reishandel in ganz Europa. Hier befindet sich auch die CRA-RIS, die frühere Versuchsstation für Reisanbau und Bewässerungskulturen, sowie die wichtigste Reisbörse Italiens. Aus all diesen Gründen konnte Vercelli nicht umhin, den Spitznamen der europäischen Reishauptstadt zu verdienen, auch wenn dieser Reis sich manchmal als bitter entpuppt hat (wie in dem berühmten Film von De Santis mit Silvana Mangano). Und Reis ist immer mit dem Spitznamen der Stadt der 8 Stunden verbunden. In Vercelli wurde der Achtstundentag durchgesetzt und damit eine Grenze gesetzt, die bis heute eingehalten wird: Nach mehreren Streiks (wie dem berühmten am 1. Juni 1906) und Aufständen erreichten die Reisschäler eine Verkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden pro Tag. Diese Eroberung wurde dann 1919 per Gesetz sanktioniert, aber in Vercelli und den angrenzenden Gebieten war sie bereits mehr als zehn Jahre zuvor vollzogen worden (hier eine ausführliche Studie).Oppidum, das im 2. Jahrhundert v. Chr. unter den Libui oder Libici errichtet wurde, war ein Stützpunkt der Römer gegen die Salassi des Aostatals; später, nachdem es eine Gemeinde geworden war, war es ein wichtiger Straßenknotenpunkt. Nach dem Untergang des Reiches wurde die Stadt Teil des Langobardenreiches und später Hauptstadt einer karolingischen Grafschaft. Die Bischöfe Lutvard, der von den Ungarn getötet wurde, und Attone zeichneten sich bei der Leitung der Diözese aus. Am Ende des 10. Jahrhunderts kämpften die Bischöfe Peter und Leo gegen Arduin von Ivrea. Die Macht der Bischöfe fand mit dem Aufkommen der Kommune eine Grenze. An der Seite der Lombardischen Liga im Kampf gegen Barbarossa war V. dann Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen Guelfen und Ghibellinen, bis die unabhängige Kommune 1335 durch Azzone Visconti beendet wurde. Sie ging 1427 an die Savoyer über und war im 16. Jahrhundert eine der wenigen savoyischen Städte, die nicht von den Franzosen besetzt waren. Von 1638 bis 1659 war sie unter spanischer Herrschaft. 1704 war sie kurzzeitig in französischer Hand, 1814 Hauptstadt des Departements Sesia und fiel dann wieder an die Savoyer.