Er ist einer der ungewöhnlichsten Orte im historischen Zentrum von Modena und seine Geschichte ist ebenso interessant, denn sie erzählt uns von einer Stadt, die es nicht mehr gibt, oder besser gesagt, von einer Stadt, die sich seit der Entstehungszeit des Brunnens radikal verändert hat. Was den weniger jungen Leuten als "funtana dll'abès" und auf Italienisch als Fontana d'Abisso bekannt ist, hat bereits in seinem Namen einen für Modena eher ungewöhnlichen Ursprung, denn das lateinische Wort "bessa" bedeutet "Flussbett oder Kanal". Und in der Tat, obwohl es heute in Modena weder das eine noch das andere gibt, war Modena vor etwas mehr als einem Jahrhundert ganz anders und viel mehr wie Venedig. Wo heute eine Straße ist, befand sich einst der Canale d'Abisso, der die ganze Stadt durchquerte und von der Via Saragozza aus in den Canale della Cerca mündete, direkt unterhalb des Palazzo Ducale. Aus diesem Brunnen floss das reinste und klarste Quellwasser, das aus dem Kanal selbst stammte. Im Jahr 1865 wurde der Brunnen jedoch nach einem bemerkenswerten Projekt des Architekten Cesare Costa an die Einmündung der Via de' Lovoleti versetzt. Der Brunnen blieb in dieser Form bis 1946 erhalten, als er mit Wasser aus dem städtischen Aquädukt gespeist wurde. Danach wurde er durch die Pflasterung des Platzes verdeckt, wobei das Geländer sichtbar blieb und ein bündiger Gusseisenbrunnen in der Nähe aufgestellt wurde. Der Brunnen war viele Jahre lang verschollen, wurde aber 2001 wiederentdeckt und restauriert, als die Piazza Roma gepflastert wurde.